The Walking Dead 1.04 „Vatos“: Kein sichrer Hafen.

„I remember my dream now, why I dug the holes.“

Die Campbewohner sind besorgt: Jim gräbt Gräber für sie. Shane fühlt sich dazu berufen, ihn davon abzuhalten: Und als er sich dazu entscheidet, die Situation mit Gewalt unter Kontrolle zu bringen und Jim in Handschellen zu legen, bringt er damit wieder Frieden in Gruppe, destabilisiert aber auch gleichzeitig die demokratischen Rechte. Währenddessen verfolgen Rick, Glenn, T-Dog und Daryl die (Blut-)Spuren von Redneck Dixon und versuchen, an Ricks Tasche voller Waffen zu gelangen. Dabei stoßen sie plötzlich auf eine rivalisierende Gang.

Quelle: Offizielle The Walking Dead Facebook-Seite

Daryl (Norman Reedus), Rick (Andrew Lincoln), Glenn (Steven Yeun) und T-Dog (IronE Singleton) formulieren einen Plan, um an die Waffentasche zu kommen. Und Ricks Hut.

The Walking Dead hat sich ja erstaunlich lange Zeit gelassen, Menschen mit Sprachrollen umbringen zu lassen – bislang gingen die Zombies immer als Verlierer vom Platz. In „Vatos“ wird nun erstmal der Body Count erhöht, als das Camp Opfer einer mittelgroßen Zombieinvasion wird.

Shane ist ja wirklich ein selbstgerechter Typ – das hat er auch schon bei Lori bewiesen, als er schon kurz nach dem vermeintlichen Tod seines besten Freundes mit seiner Frau rumgemacht hat – und wer weiß, vielleicht hatten die beiden auch vorher schon miteinander was? Nun, jedenfalls schwingt er sich zum selbsternannten König der kleinen Gruppe auf, wie Jim ganz richtig bemerkt. Klar, Jims Verhalten ist nicht gerade teamorientiert, doch Shane ist gar nicht erpircht darauf, lang mit diesem zu verhandeln.

Jim wirft ein, dass ja alle gesehen hätten, was mit Ed passiert ist. Und wir sehen dessen malträtiertes Gesicht ebenfalls – ein Bluterguss ziert fast die ganze linke Hälfte seines Gesichts, seine Augen sind blutunterlaufen. Doch Shane reagiert rasch: Er provoziert einen Zweikampf, in dem er Jim als Cop natürlich überlegen ist, und fesselt diesen anschließend für den Rest der Episode an einen Baum. Die anderen Überlebenden schauen zu und nehmen es stillschweigend, gar nicht so unwillkommen hin.

Jim ist Witwer, wie er uns erzählt, der nur überlebt hat, weil die Walkers seine Familie direkt aus seinen Armen riss und zu sehr mit deren Verzehr beschäftigt waren, um sich um ihn zu kümmern. Nachdem er uns von seinem bewegenden Schicksal erzählt hat ist undurchschaubar – warum buddelt er nun die Gräber? Zuerst vermutete ich, dass er womöglich Amok laufen würde oder zumindest sich selbst richten möchte. Doch die Gespräche, die er mit Shane und Lori führt triefen einfach nur von triefer Trauer und Resigniertheit.

Inzwischen ist das A-Team, bestehend aus Daryl, Rick, T-Dog und Glenn, in Atlanta auf der Suche nach Redneck Dixon, dessen Vorname übrigens Merle ist. Sie endecken ein paar erlegte Walker und, grusel, einen Herd, an dem Redneck Dixon seinen Armstumpf angeschmort hat, um die Wunde zu schließen. „Feed him a hammer and he’s gonna crap out nails.“, meint Daryl dazu. Man, der Typ ist hart im Nehmen.

Redneck Dixons Spur verliert sich, und die Männer entschließen sich, sich inzwischen auf die Waffen zu konzentrieren. Glenn tüftelt einen Plan aus, toll bildhaft erklärt, um die Tasche mit Hilfe eines Ablenkungsmanövers, Daryls lautlosen Pfeilen und seiner eigenen Gewandheit zu schnappen. Doch der Plan geht schief, als eine rivalisierende Gang sie überrascht. Sie nehmen einen Burschen der Gang als Geisel, während die Gang Glenn mitnimmt. Wenigstens die Waffentasche können sie behalten.

Durch geschicktes Verhandeln – Daryl erzählt dem Burschen, er habe dem letzten Typen, der ihn angepisst hätte, die Hand abgetrennt, und knallt dem Burschen Redneck Dixons abgetrennte hin – erfährt das Team den Standort des Hauptquartiers der Gang. In (spannungs-)geladenen Verhandlungsszenen mit knackigen Dialogen versuchen sie, einen Gefangenentausch zu initiieren, doch die Gang will die Waffen. Es ist ein wenig uncharakteristisch für Rick, die Situation so aus dem Ruder laufen zu lassen – beinah endet die Situation im Blutbad. Doch das Glück steht auf der Seite der Menschheit, als eine alte Dame die Bildfläche betritt. Rick verhält sich diplomatisch, und auch Miguel, der Anführer der Gang, erkennt, dass es besser ist, wenn sich die Lebenden nicht untereinander bekämpfen.

Mir gefällt, wie uns unsere Vorurteile vorschnell ein Bild von Miguel und seinen Jungs bilden ließen. Sie sind gar keine Gang – sie sind Angehörige, Mitarbeiter und vom Ehrgefühl berufene Männer und Frauen, die ein Altenheim instand halten. Die Angestellten waren einfach geflohen, und viele Bewohner des Heims können kaum allein zum Bad gehen, geschweige denn evakuiert werden. Hinterlassen zum Sterben – The Walking Dead verwendet diese Geschichte clever als Metapher für Altenheime in der Gesellschaft. Good Guy Rick gibt ihnen natürlich die Hälfte der Waffen und den Burschen, das A-Team bekommt Glenn zurück – fairer Deal, alle sind zufrieden.

Im Camp geschieht indes das, was Jims Graben von Gräbern schon geforeshadowet hat: Die Walkers kommen! Der erste, der umkommt, ist der gehasste Ed, welcher in der Vorfolge Tell It to the Frogs seine Frau geschlagen hatte. Ed ist selbst im Sterben ein Arschloch – er schreit nicht einmal, um die anderen zu warnen. Das kommt Amy teuer zu stehen: Während der Rest der Gruppe am Lagerfeuer sitzt und gemütlich miteinander ratscht, steht sie abseits am Campinganhänger. Amy hatten wir nie gut kennen gelernt, nur in dieser Episode wurde uns vermittelt, wie nah ihr ihre Schwester Andrea stand (welche laut Pressetext zum Main Cast gehört, im Gegensatz zu den meisten anderen Campbewohnern wie Jim, Carol, Ed oder eben Amy).

Quelle: Offizielle The Walking Dead Facebook-Seite

In einer malerischen Szenerie verbringen Amy (Ema Bell) und Andrea ((Laurie Holden) einen letzten gemeinsamen Nachmittag. Solche Sets kann man sich nur wünschen.

Amy wird angebissen, sie schreit, und die Hölle bricht im Camp los – überall Zombies! Wir sehen neben Amy und Ed noch ein paar bislang namentlich ungenannte Campbewohner sterben. Jim und der fröhliche Hispanic schlagen mutig mit Baseballschlägern auf die Zombies ein, und Shane macht sich mittels Pumpgun ebenfalls nützlich. In diesem Moment, verstört durch die Schreie aus dem Camp, tauchen Rick, T-Dog, Daryl und Glenn auf und helfen ihnen, die Zombies aufzumischen. Sie mussten zu Fuß nach Hause laufen, da ihr Wagen gestohlen worden war – wahrscheinlich von Redneck Dixon.

Intensiv beklagen wir den Tod von Amy – weniger durch das, was wir von ihr wissen, sondern mehr durch Andreas fassungsloses Gesicht und ihre Tränen, als sie sich über Amy beugt und die letzten Sekunden ihrer Schwester verfolgt. Unser erster emotionaler Verlust. Der Angriff der Walkers ist vorüber, die Gruppe fassungslos – überall liegen Körper, manche von ihnen. Ihr Camp ist nicht mehr sicher: Früher oder später werden sie es verlassen müssen.

Bla:

– „Admit it, you only came back to Atlanta for the hat.“ Wieder ein toller Moment in Sachen Kontinuität und Ästhetik. Rick ist jetzt auch visuell wieder der Scheriff.

– Ich fand Jims Vision ein bischen plump in die Folge integriert. Foreshadowing schön und gut, aber die Gräber waren ein bischen arbiträr von ihm angelegt.

– Ach so bekommen die Überlebenden derzeit Essen: fischen, jagen, Beeren pflücken.

– Ich bin froh, dass Daryl zur Vernunft gebracht werden konnte, sodass er T-Dog nicht erschoss. Nicht wegen T-Dog sondern wegen Daryl: Ich mag seine Persönlichkeit, und so eine Armbrust als lautlose Schusswaffe hat verdammten Style!

– Warum kamen de getöteten Campbewohner nicht wieder zum Leben? Wird man gar nicht selber zum Walker, wenn man durch die Bisse stirbt?

– Warum macht Miguel eigentlich einen auf harten Kerl? Ich sehe den Sinn darin nicht, das Blutbad anzudrohen. Sie sind mehr Männer als Ricks Team, aber trotzdem haben er und seine Männer große Empathie für Menschen – warum also Rick bedrohen?

Fazit: 9,0 von 10 Punkten.

The Walking Dead legt einen Lauf an starken Episoden hin. „Vatos“ ist verdammt spannend und vor allem unvorhersehbar – zuerst die Jagd nach Redneck Dixon, dann der gescheiterte Plan, an die Waffen zu kommen, die Konfrontation mit der Gang, die Entdeckung des Altenheims sowie die schließende Zombieinvasion des Camps. Die Dialoge sind knackig, beinah alle Charaktere haben beide Hände voll zu tun, der Plot und die Gruppendynamik werden vorangetrieben – was will man mehr?

Vatos” wird am 12.5.2012 im Hauptabendprogramm von RTL 2 zu sehen sein.

Advertisements

2 Gedanken zu “The Walking Dead 1.04 „Vatos“: Kein sichrer Hafen.

  1. Pingback: The Walking Dead 1.05 “Wildfire”: | Blamayers TV Kritiken

  2. Pingback: The Walking Dead im Free-TV | Blamayers TV Kritiken

add your bla:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s