The Walking Dead 1.03 „Tell It to the Frogs“: Tag der Frösche.

„I can’t tell you how grateful I am to you, Shane.“

Rick hat es geschafft: Nach nur zwei Folgen findet er in „Tell It to the Frogs“ (dt. „Tag der Frösche„) seine Familie wieder. Viel Glück bringt das den Campbewohnern nicht: Lori verheimlicht Rick ihre Affäre mit Shane, und dieser muss nun deren Missachtung spüren – er war es schließlich gewesen, der ihr erzählt hatte, dass Rick tot sei. Indes taucht der erste Zombie in Campnähe auf, als Resultat auf Glenns lautstarke Flucht aus Altanta. Und Dixons Bruder Daryl ist natürlich gar nicht erfreut, dass sie seinen Bruder zum Sterben in der Stadt gelassen haben.

Quelle: Offizielle The Walking Dead Facebook-Seite

Rick (Andrew Lincoln), Lori (Sarah Wayne Callies) und Carl (Chandler Riggs) sind überglücklich (?), sich nach der Zombieapokalypse endlich wiederzusehen.

Besonders geschickt gelingt es der Episode, verschiedenste Details der ersten beiden Episoden aufzugreifen und dadurch den Plot zu stricken – das lässt alles sehr durchdacht wirken. Die Tasche voller Waffen, die Rick im Piloten in der Nähe des Panzers liegen lassen musste, wird nun Hauptgrund für die Campbewohner (insbesondere Shane), die Erlaubnis für die Rettungsaktion für Dixon zu geben. Oder das Fotoalbum, das Rick einst davon überzeugte, dass Lori und Carl noch am Leben sind, wird nun von Lori als Symbol ihrer gemeinsamen Vergangenheit ausgepackt, um sich ihre Schuld, ihren Mann hintergangen zu haben, nicht eingestehen zu müssen. Und die Werkzeugtasche, über die T-Dog in der Vorfolge gestolpert war, ist essentiell für Dixons Flucht aus seiner misslichen Lage in Atlanta. Doch die hat einen Preis…

Nach der Wiedervereinigungsszene der Familie – Lori machte dabei große Augen und sah gar nicht so glücklich aus – lebten wir uns schon einmal ein wenig ins Camp ein. Dort scheint der Alltag eher dröge zu sein: waschen, kochen, funken, Wache halten. Es gibt rund fünfzehn bis zwanzig Bewohner, ein ganz schöner Batzen an neuen Charakteren, von denen wohl einige unweigerlich Kanonenfutter werden. Darum macht es Sinn, nur ein paar von ihnen näher zu charakterisieren und sich auf diese zu beschränken.

Beispielsweise lernen wir Daryl kennen, neben Shane und Rick der sicher effizienteste Kämpfer des Camps – ganz oldschool, aber sehr munitionssparend schießt er mit Pfeil und Bogen. Übrigens wird dabei eine Regel verletzt, die in „Guts“ etabliert worden war, dass man das Blut der infizierten auf keinen Fall anfassen dürfe – Daryl zieht seine Pfeile ohne mit der Wimper zu zücken aus den Hirnen seiner Ziele, noch vor Hirnmasse tropfend.) Heißblütig ist er, und das vermischt sich gar nicht gut damit, dass seine Mitbewohner im Camp seinen Bruder zum Sterben in Atlanta zurückließen. Ohne Shane und Ricks Eingreifen hätte er vielleicht schon einen Pfeil durch T-Dogs Kopf geschossen – oh wie wird er wohl am Ende dieser Episode reagieren…

In der Nacht zuvor beratschlagen sich die Campbewohner noch, wie sie ihr Malheur Daryl erklären wollen. Ich bezeichne sie als „Campbewohner“, weil sie sich da fast so verhalten wie die Teilnehmer bei Survivor oder vielleicht auch Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! Sie verhalten sich so, als hätten sie Redneck Dixon (so nenne ich ab jetzt Daryls Bruder) im Tribal Council der Vorwoche rausgevotet – kann man in diesem Sinne also durchaus als Satire auffassen.

Auch von Dale lernen wir ein wenig mehr – er bringt uns bei, dass das Camp kein kommunistischer Verein ist, Privateigentum, selbst überlebenswichtiger, spielt immer noch eine Rolle. Geld ist natürlich wertlos geworden, jetzt wird gefeilscht und getauscht – für seinen Bolzenschneider verlangt er neben der Wiederbringung seines Werkzeugkoffers (wieder der, über den T-Dog gestolpert war!) eine Waffe seiner Wahl, sein Freund verlangt noch einen Zusatzgefallen obendrauf. Good Guy Rick ist mit beidem einverstanden.

In der Nacht kommen sich dann Lori und Rick wieder näher. Rick scheint Lori wirklich mehr zu lieben als sie ihn – selbst als sie sich mehrmals küssen habe ich kaum das Gefühl, dass sie schon über zehn Jahre in einer Ehe gelebt hätten. Fehlt die Chemie zwischen den Schauspielern oder muss Lori einfach erst ihre Gefühle für Rick wieder finden? Und hey… euer Kind liegt direkt neben euch! Ich kann kaum fassen, dass Lori Sex haben möchte, wenn Carl knapp einen Meter entfernt liegt. Sie dazu lapidar: „He won’t wake up.

Lori selbst hat jedenfalls beschlossen, Shane zu ignorieren, und hat ihm gesagt, er solle von Carl fern bleiben – meiner Meinung nach leicht selbstsüchtig, Shane tut dem Jungen gut! Lori ist sauer auf ihn, weil sich wegen ihm sicher war, dass Rick tot sei, und deshalb auf ihn eingelassen hat. Ich bin auf Shanes Seite: Es ist schließlich extrem unwahrscheinlich, dass Rick aufgrund seines Komas von den Zombies in Ruhe gelassen wurde – und sonst hat im Krankenhaus ja auch niemand überlebt.

Indes sehen wir vier Frauen zu, wie sie die Wäsche waschen und sich beklagen, dass die Männer so gut wie keine Camparbeit verrichten – Shane spielte mit Carl bis eben noch Frösche fangen, und Ed raucht nur eine Zigarette und schaut zu. Wenigstens verstehen sich die Frauen gut, spaßen darüber, was sie alles an der Zivilisation vermissen. Plötzlich schlägt die Szene in Todernst um und zeigt auf, dass die soziale Struktur im Camp alles andere als gefestigt ist, dass die Gruppe jederzeit ihr eigener Untergang sein könnte: Die Frauen beklagen sich über Eds Faulheit und wie er mit seiner Frau umgeht, und als dieser uneinsichtig bleibt und die Frauen vehementer werden, schlägt er seine Frau.

Die Frauen sind entsetzt, und Shane wittert eine Gelegenheit, seinen eigenen Frust mit Loris Inkonsequenz und Ablehnung umzugehen: Er stürzt sich auf Ed und prügelt auf ihn ein und prügelt auf ihn ein. Und prügelt auf ihn ein und will gar nicht mehr aufhören, schlägt weit über die Maße zu, und droht, ihm, ihn umzubringen, falls er je wieder Hand an seine Frau lege. Er sichert sich damit auch Dominanz, die er durch Ricks Auftauchen verloren hat, auch wenn er diese mittels Angst verschafft. Auch die vier Frauen sind sichtlich bestürzt über Shanes Wutausbrauch – Ed sieht halbtot aus, es wäre nicht verwunderlich, wenn er bleibende Schäden davontragen würde. Das Ereignis lässt alle Campbewohner verunsichert – die Nerven scheinen besonders bei jenen blank zu liegen, die Macht ausüben können.

Quelle: Offizielle The Walking Dead Facebook-Seite

Das A-Team auf heldenhafter Mission in Atlanta, Redneck Dixon zu retten: Daryl mit (Norman Reedus) mit Armbrust, T-Dog (IronE Singleton), Rick und Glenn (Steven Yeun).

Während dieses Vorfalls sind Rick, Glenn, Daryl und T-Dog (siehe da, jetzt haben wir schon Gruppen, in denen wir endlich alle kennen!) auf dem Weg nach Atlanta. Diese Kleingruppe möchte einerseits die Waffen holen, die Rick aus seinem Polizeipräsidium geholt hatte, und andererseits wollen sie Daryl retten. Letzteres endet katastrophal und sorgt für den bislang größten Schocker der Serie: Als das A-Team nach oben stürmt – mysteriöserweise eigentlich ohne große Gegenwehr – entdecken sie, dass die Zombies nicht zu Redneck Dixon gekommen waren. Dixon ist aber nicht mehr da, er hatte sich befreien können. Und wir erfahren wie: In Saw-Manier musste er sich die eigene Hand abtrennen hat müssen.

Mein Gott. Tragischerweise auch noch umsonst! Das ist ein absolut wahnsinnig verstörender Cliffhänger, der die Gruppendynamik noch einmal gänzlich umschichtet – Daryl wird damit zur losen Kanone, und falls Redneck Dixon noch am Leben ist (und das ist er wahrscheinlich, denn sonst hätten da ja Zombies vor der Tür auf ihn gelauert) wird auch dieser zu einer großen Gefahr für Rick, T-Dog und Co. Jetzt hat es also schon begonnen: Nicht nur die Walkers sind eine Gefahr für die Überlebenden, auch sie selbst bekriegen sich untereinander. Und das schon in Episode drei. The Walking Dead hat schnell hochgeschalten – ich bin begeistert.

Bla:

– Diesmal gabs kaum gute Zitate, schade – grad zur Wiedervereinigung hätt ich mir was knackiges gewünscht.

– Ich verstehe nicht ganz genau… hat Lori in der Folge davor ihre Halskette im Wald liegen lassen? Oder einen Teil davon? Oder ihren Ehering?

– Witzigster Moment in einer ernsten Episode: Ein Zombie dringt nahe dem Camp vor, fünf Männer schnetzeln alle gemeinsam darauf ein. Erst nach ein paar Sekunden köpft schließlich einer von ihnen den Walker, nachdem sie ordentlich darauf eingeschlagen haben – und der Kopf bewegt sich immer noch. Daryl greift ein: „Come on, people, you gotta kill the brain. Have you learnt nothing?“

Fazit: 9,0 von 10 Punkten.

Tell It to the Frogs“ / „Tag der Frösche“ erzählt von Ricks Begegnung mit dem Camp und dessen Bewohnern, und zu unsrem Glück bringt er einen ganzen Ballast an Konflikten gleich mit. Manche Bewohner sind vielleicht zu stereotyp, aber im Großen und Ganzen funktionieren die Konflikte unter ihnen gut. Die Folge endet mit einem heftigen Cliffhänger – man kann nur hoffen, dass die Serie dieses hohe Maß an Spannung, sowohl im Camp als auch bei A-Team-Missionen, halten kann.

Tell It to the Frogs” wird am 12.5.2012 im Hauptabendprogramm von RTL 2 zu sehen sein.

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2 Gedanken zu “The Walking Dead 1.03 „Tell It to the Frogs“: Tag der Frösche.

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