The Walking Dead 1.02 „Guts“: Gefangene der Toten.

„There’s us and the dead. We survive this by pulling together, not apart.“

Schade: Rick setzt den Panzer nicht in Gang, der wäre bestimmt hilfreich gewesen. Stattdessen weist ihn Glenn per Funk an, zu Fuß zu flüchten, solange die Walkers noch mit dem Leichnam des Pferdes beschäftigt sind. Dank Glenns Hilfe gelangt Rick in ein verbarrikadiertes Einkaufszentrum und findet dort die klassische Zomiefilm-Katastrophengruppe vor: Uneins, leicht naiv und zum Teil gemeingefährlich.

Quelle: offizielle The Walking Dead facebook Seite

Glenn (Steven Yeun) und Rick (Andrew Lincoln) mischen sich unter die lebenden Toten.

Guts“ ist dabei von der Tonart interessanterweise ganz anders als der Pilot, nicht zuletzt wegen der verkürzten Zeit. Days Gone Bye war nachdenklich, ästhetisch, gelegentlich sogar sinnlich – „Gefangene der Toten„, wie die Episode auf Deutsch heißt, erinnert hingegen mehr an einen actionorientierten Zombiefilm – die Kaufhausgefangenensituation erinnert beispielsweise an Resident Evil 4, ist aber zum Glück spannend.

Beachtlich, dass wir in dieser Episode keine Person an die Zombies verlieren – normalerweise sind solche Kurzgeschichten wie die Umzingelung des Gebäudes durch Zombies ja wie geschaffen dafür, ein oder zwei Gruppenmitglieder als Kanonenfutter zu verlieren. Und wenn, dann sterben die uninteressantesten zuerst. Der einzig Totgeweihte dieser Episode ist wohl aber Dixon, der Redneck-Rassist.

Dieser gibt sich Mühe, keine Stereotypen auszulassen – heißblütig schießt er mit dem Scharfschützengewehr Zombies nieder, und als das den anderen nicht passt, weil es nur weitere Zombies anlocken wird, kommt es zum Streit und zur Schlägerei. Dixon ist aber ein mächtiger Mann, kann es fast mit der ganzen Gruppe aufnehmen. Nur Rick ist ihm mit einem Oneliner überlegen. Besonders originell ist die Szene wirklich nicht, und auch Ricks Monolog vom Zusammenarbeiten unabhängig von der Hautfarbe kommt ein wenig hölzern daher.  Schöne Sentimente, aber enorm klischeehaft: „There aren’t no niggas anymore. Only dark meat and white meat. There’s us and the dead.“


Es erscheint auch ganz unrealistisch, dass Dixon ausgerechnet jetzt explodiert und Diktator spielen möchte, wo Rick die Situation retten kann – nach Loris Seitensprung zu urteilen müssten ja seit Apokalypse und Ricks Erwachen mehrere Wochen, wenn nicht sogar Monate vergangen sein. Also muss Dixon schon längers mit dieser Gruppe zusammengearbeitet haben, wenn sie nun gemeinsame Sache machen. Und dann zieht er diese Nummer jetzt ab. Hm. Ein genauer Zeitrahmen wurde uns dafür bislang noch nicht gegeben. Überhaupt wissen wir noch so gut wie gar nichts darüber, wie die große Tragödie ihren Lauf nahm. Da haben sich die Autoren ein Goldei gelegt – darüber häppchenweise mehr zu erfahren wird spannend sein.

Vorerst konzentriert sich allerdings alles auf das Hier und Jetzt, denn erstmal ist Überleben angesagt. Obwohl Rick den Streit schlichtet und gleich als Führerfigur auftritt wird er nicht mit offenen Armen empfangen: Durch sein Auftauchen sind die Walkers auf die Gruppe Überlebenden aufmerksam geworden. Und sie besitzen durchaus die Kraft, durch die Glastüren durchzubrechen – die Zeit tickt also. Jemand hat die Idee, durch die Kanalisation die Stadt zu verlassen. Spannend: Die Geschichte wird zunächst so erzählt, als ob man wirklich diesen Weg wählen würde – zum Beispiel auch mit der Erklärung, dass zufällig eine Frau unter den Überlebenden ist, die sich da sehr gut auskennt. Nach einer kurzen Expedition muss die Gruppe allerdings feststellen: Erstens kommen sie da nicht raus, und zweitens erwartet sie da unten dasselbe Grauen wie an der Oberfäche.

Quelle: offizielle The Walking Dead facebook Seite

Ratten bewohnen die Kanalisation, und wo Fleisch ist sind die Walker nicht weit...

Stattdessen entwickelt man Plan B: Sie schnappen sich einen wirklich toten Zombie und schmieren sich mit dessen Eingeweide ein, um so zu riechen wie die Zombies. Das funktioniert natürlich nur mit dem Wissen, oder besser mit der Theorie, dass die Walkers sich gegenseitig wegen des Todesgestanks nicht fressen. Die Serie nimmt sich Zeit, den Horror der Gruppe spüren zu lassen, nicht zuletzt durch die explizite Gewalt. Da läuft einem schon ein Schauer über den Rücken, als Eingeweide um Ricks und Glenns Hals gehängt wird. Vor der grausamen Zerstücklung des Körpers nimmt Rick sich aber noch Zeit, dem Mann zu gedenken: Er hatte einen Namen, ein Foto einer hübschen Frau im Portemonnaie. Auch er hatte eine Geschichte, die wir nie erfahren werden.

Die Überlebenden sind sich nicht zu 100% sicher, ob der Plan auch aufgehen wird, und schicken deshalb Rick und Glenn bewaffnet raus. In einer langen, spannenden Szene bewegen sich die beiden dann, den Zombiegang nur schlecht imitierend, in Richtung Baustelle, wo sie sich PS-starke Wagen erhoffen. Immer wieder drehen sich Zombies in ihre Richtung – so ganz wie gewöhnliche Zombies riechen sie scheinbar nicht – doch alles geht gut.

Zumindest, bis es regnen beginnt. Den Donner bekamen wir schon minutenlang vorher zu hören, die Überlebenden hingegen bemerken die Tropfen erst viel zu spät. Der Regen beginnt, das Blut und den Todesgestank von Glenn und Rick abzuwaschen – und das, als sie noch mitten unter den anderen Walkern sind. Mit Ach und Krach und Axt und Kanone schaffen die beiden es dann doch noch zur Baustelle. Glenn stiehlt die feuerrote Dodge, Rick den Transporter, und während Glenn mit Alarmanlage die Zombies ablenkt rettet Rick die übrigen Überlebenden. Alle außer Dixon. Der wird irrtümlich von T-Dog, der vorher noch voh ihm als Nigger bezeichnet worden war, zurückgelassen, als er unglücklich stolpert und den Schlüssel unwiederbringlich verliert. Doof: Jetzt siehts natürlich so aus, als ob T-Dog ihn absichtlich im Stich gelassen hätte. Die anderen Überlebenden verheimlichen diesen Gedanken vor T-Dog, scheinen seine Entscheidung aber insgeheim ihm nicht übel zu nehmen. Er wäre ein Risiko gewesen. Aber auch ein interessantes Konfliktmaterial.

Bla:

– Der englische Titel ist clever gewählt: Es braucht schon Mut (guts), um mit Gedärmen (guts) eines Menschen umzugehen.

– Schöner visueller Trick: das wie ein Gemälde aussehnde Bild der auf der einen Seite verstopften, auf der anderen Seite leeren Autobahn, gehalten in grauen Farbtönen, wird von der knallroten Corvette durchrast.

– Wir kennen die ganzen Überlebenden noch nicht besonders gut, aber ich mag schonmal Dale, rein visuell – das ist der Hut-tragende ältere Mann am Campingplatz. Auch Glenn scheint stark in Ordnung zu sein.

– Als ich die Besetzungliste laß musste ich lachen, dass der schwarze Typ, der von Dixon beinah getötet worden wär, „T-Dog“ heißt. So viel zu rassistischen Stereotypen.

– Lori hats ja faustdick hinter den Ohren. Im Wald halten sie ein Schäferstündchen ab, und um zu zeigen wie sehr sie ihren Ehemann schon vergessen hat, legt sie vorm Sex ihre Halskette samt Ehering ab. Huh? Rick und sie beiden müssen wohl ziemlich gestritten haben vor der Apokalypse.

Fazit: 8,0 von 10 Punkten.

Guts“ / „Gefangene der Toten“ fühlt sich anders an als der Pilot, actionorientierter und weniger sinnlich.  Auf das Menschliche wird nicht ganz vergessen – das Herz der Episode ist der Ausbruch aus Atlanta, der das Überspringen einer moralischen Grenze der Überlebenden erfordert, als sie die Überreste eines Menschen dafür zweckentfremden müssen. Die neuen Überlebenden sind sehr klischeehaft – diesbezüglich kann The Walking Dead sicher hoffentlich noch nachlegen.

Guts” wird am 11.5.2012 im Hauptabendprogramm von RTL 2 zu sehen sein.

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2 Gedanken zu “The Walking Dead 1.02 „Guts“: Gefangene der Toten.

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