Touch 1.05 „Verflechtung“: Der goldene Schnitt.

„Missed my train. Met the girl.“

Touch läuft derzeit nicht sonderlich gut. Während die Serie in den USA annehmbare Quoten einfährt und wahrscheinlich für eine zweite Staffel erneuert wird, ist man im deutschsprachigen Bereich in Quotenprobleme geraten – ProSieben klagt nun schon seit Wochen über miese Werte, und beim ORF waren sie so schlecht, dass er Touch von der Primetime (20:15 Uhr) ins Nachtprogramm (23:20 Uhr) verschieben hat müssen. Immerhin: Es hat funktioniert, der Marktanteil hat sich von 6 auf 12 Prozent verdoppelt – auch wenn das bei der späten Übertragungszeit zu einer deutlichen Reduktion an totalen Zuschauerzahlen bedeutet.

Man kann einfach gar nicht anders, als an Jack Bauer zu denken: Martin Bohm (Kiefer Sutherland) versucht, die Situation zu entschärfen. Das Schicksal ist auf seiner Seite.

In „Verflechtung„, im Original „Entanglement„, gehts um Jakes Fürsorgerecht – Martin soll an einer Anhörung teilnehmen, um zu beweisen, dass er der Aufgabe gewachsen ist, auf Jake aufzupassen. Auf dem Weg dorthin folgt er jedoch wieder Jakes Zeichen und stolpert so über und in allerlei Geschichten hinein: zwei arabische Mädchen, ein schüchterner kanadischer Arzt, eine rachesuchende Busfahrerin, ein Dieb und dutzende mehr überbevölkern die heutige Episode.

Martin Bohm wird auf der Straße von einem asiatischen Mann bestohlen, und bei der Verfolgungsjagd schafft er es glatt, in einen Bus zu steigen, während der asiatische Mann aussteigt und Martin allein weiterfahren lässt. Zu seinem Unglück – oder nennen wir es besser Schicksal – setzt er sich ausgerechnet neben Maria, die nach Rache für ihre ermordete Familie sinnt. Mir ist vollkommen schleierhaft, warum sie ihre Pistole gegenüber Martin zückt (bzw. warum sie ihn ihre Waffe sehen lässt). Und diese Ungereimtheit ist ein ganz großes Problem.

Denn das Prinzipp, dass Jake all diese „Heilung“ (Richtigstellung) der Dinge durch Martins Aktionen verursacht, gerät auf wackelige Füße, wenn die Verbindungen künstlich herbeigeführt wirken. Ganz ehrlich: Diese Geschichte um die rachsüchtige Maria gefiel mir gar nicht. Es wäre viel klüger von ihr, wenn sie dem Mann nur folgen würde und halt in der Wohnung abknallen würde – stattdessen sitzt sie mit einer Knarre in der Hand im Bus. Gehts vielleicht noch ein bischen auffälliger?

Ebenfalls ziemlich hölzern wirkte die Geschichte von dem Dieb, der Martin bestiehlt. Schon cool, dass er seiner Tochter gestohlene Sachen schenken möchte, aber zu viel des Guten, dass deren reicher Verlobter ihr ein Auto schenkt. Diese Minigeschichte wirkte ein wenig aufgesetzt, und irgendwie lernte ich auch keinen der drei Charaktere (Vater, Tochter, berlobter Geschäftsmann) mögen lernen.

Auch allein geographisch funktioniert dessen Geschichte nicht: Zuerst bestiehlt er Martin und hängt ihn ab, indem er Martin in den Bus einsteigen lässt. Er geht zu Fuß weiter ins Restaurant, isst dort zu Mittag und bestellt den Drachen vors Restaurant. Ungefähr zur selben Zeit steigen Martin, Maria und der Mann mit dem Tattoo aus dem Bus aus und laufen in eine Seitengasse. Aber obwohl sie mehrere Stationen Bus gefahren sind stehen sie nun genau neben dem chinesischen Restaurant. Der Stau kann gar nicht so groß gewesen sein, dass der asiatische Vater inzwischen hätte mittagessen können. Quod erat demonstrandum.

Lichtblick für die Serie: Wir erfahren jede Menge über Arthur Teller, oder vielmehr erfahren wir eigentlich nichts – vieles wird nur angedeutet. Jake ist nicht allein auf der Welt mit seiner Gabe, das haben wir schon vom unsichtbaren Prinzen in „Schutz in der Menge“ erfahren. Arthur Tellers Dialog mit seiner Tochter Maggie lässt ein größeres Muster vermuten, das nicht nur die einzelnen kleinen Geschichten jeder Folge verbindet. Er spricht von einer Zahlenreihe und der Suche nach der nächsten Zahl. Mehr noch, es scheint eine Organisation zu geben, die ebenfalls Interesse daran hat:“Sie wissen noch nichts von dem Jungen!“

Quelle: Touch - offizielle facebook Seite

Arthur Teller (Danny Glover) diskutiert mit Martin über Jakes neuesten Entwicklungen.

Aus Mangel an konkreteren Informationen nenne ich diese Organisation einfach mal „die Firma“, in Anlehnung an Tim Krings, der Serienschöpfer, Vorgängerwerk Heroes, in der es eine ähnliche Storyline gab. Gut zu wissen, dass man noch auf etwas Größeres hinsteuern wird – aber so langsam, viel zu langsam. Denn sonst tut sich in der Folge für die Serie selbst so gut wie gar nichts. Teller meint zwar (recht plump), dass sich Jake entwickeln würde – aber ich sehe das nicht so recht. Er hat halt diesmal ein Muster gezeichnet, in dem eine Zahl versteckt ist – für mich einfach nur eine andere künstlerische Form. Und dieses Schneckentempo lässt mich ungeduldig werden – ich merke, wie ich von Woche zu Woche weniger erpircht darauf bin, die neueste Folge anzugucken, weil der serielle Aspekt mir so wichtig ist.

Herbe Enttäuschung ist auch, dass die heutige Geschichte nur ganz entfernt miteinander verbunden ist, anstatt ganz eng ineinander verwoben zu sein. Die meisten spielen sich nämlich ab, ohne einander zu berühren. Zum Beispiel der Kanadier: Der wäre zwar mit Norah verlobt gewesen, war aber nur einer von zwei Faktoren für deren Happy End. Ansonsten ist er einzig mit Martin verbunden, als er dank dessen Eingreifen grade rechtzeitig weg kann. Auf diese Nebengeschichte hätte also (mit leichten Veränderungen zur Hauptgeschichte) ruhig verzichtet werden können, zumal sie auch extrem vorhersehbar war und sich recht austauschbar anfühlte.

Fallbeispiel Norah (das arabische Mädchen): Auch hier handelt es sich um eine ziemlich eigenständige Geschichte, bei der die einzige, einen Unterschied machende Verbindung ist, dass die schwangere Frau ihren Mann anruft, der in New York die Notbremsung des Busses verursacht, in dem Martin, Maria und der Mann mit der Glatze, auf den Maria es abgesehen hat, sitzen. Im Übrigen eine schwache Szene – es wirkt nicht besonders realistisch, wie viel Zeit Maria benötigt, um die Knarre aufzuheben.

Mit Norah können wir übrigens auch in der Zukunft wieder rechnen – einerseits scheint ihr Charakter vielschichter zu sein als die meisten Nebenrollen, andererseits blättert sie mit der Zustimmung ihres Vaters Broschüren über Colleges in New York durch, dem Handlungsort der Hauptgeschichte. Ich mag den Charakter, wünsche mir aber bedeutendere Geschichten für sie. In diesem Sinne ist Norah eine Metapher für die Serie selber – man macht derzeit noch nichts Weltbewegendes, alles hängt noch so lose miteinander zusammen.

Bla:

„Wenn man einen Ziegelstein herauszieht, stürzt die Mauer ein.“ Guter Versuch an einer Metapher… wenn der Spruch denn nur stimmen würde. Ziegelsteine werden schließlich so aufgeschichtet, dass immer zwei über einem anderen liegen.

– Warum spielt Teller gegen Ende der Episode ein Videoband immer wieder ab? Ich sehe die Relevanz dessen nicht, was wiederholen lässt.

– Fand es toll, dass die schwangere Frau Norah und ihrer Freundin nicht verziehen hat, dass sie Frauen sind. Nicht weil ich sexistisch bin, sondern weil das unerwartet kam und positiv kontrovers ist.

– Visuell war die Episode eher platt – im Gegensatz zum Vorgänger, wo uns der Drache durch die Stadt führte. Immerhin entkamen wir diesmal Martins Schreien nach Jake.

Fazit: 6,0 von 10 Punkten.

Touch rückt so langsam damit heraus, in welche Richtung man den Mainplot hinsteuern möchte – aber konkret wissen wir noch rein gar nichts. Wir erfahren ein wenig über Arthur Tellers Vergangenheit, die anderen Hauptcharaktere treten allerdings auf der Stelle – das ist ein wenig frustrierend. Das Geschichtengeflecht von „Verflechtung“ ist recht lose und könnte ein wenig stärker ineinander verkeilt sein. Ein paar Geschichten hätten auch gern einen Tick glaubhafter sein können.

Verflechtung” ist bis 30.4.2012 HIER kostenlos und legal auf der ProSieben-Homepage verfügbar.

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Ein Gedanke zu “Touch 1.05 „Verflechtung“: Der goldene Schnitt.

  1. Nur um das richtigzustellen: Der Mann im Anzug ist nicht Mandy’s Verlobter, sondern ihr Stiefvater, der im Gegensatz zu ihrem richtigen Vater anscheinend im Geld schwimmt. Klar, dass sich dieser wiederum nun beweisen muss. Die Väter von Norah und dem Arzt in Montreal haben beschlossen, dass ihre Kinder heiraten werden. Doch der Arzt hat nur Augen für das Mädchen, dem er täglich in der U-Bahn begegnet. Und auch Norah ist nicht davon begeistert, nach der Pfeife ihres Vaters zu tanzen, weswegen sie sich kurzerhand, als Mann verkleidet, mit dem Auto aus dem Staub macht. Sie trifft auf eine schwangere Frau, der sie ihr Handy leiht, um damit den werdenden Vater in New York zu informieren. Dadurch gerät die Situation im Bus außer Kontrolle, die Knochenmarkspenderin landet im Krankenhaus, der Arzt hat Feierabend, die Hochzeit ist geplatzt, der Kreis ist geschlossen. Alles aus den Haaren gezogen, aber man kann es nunmal nicht verstehen.

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