Schnell Ermittelt: Staffel 3

„Ich hab einfach das Gefühl, dass mir keiner mehr die Wahrheit sagt.“

Hinweis: Diese Zusammenfassung beinhaltet größere Spoiler für die Staffel.

Quelle: offizielle Schnell Ermittelt facebook Seite, Pedro Dominegg

Kemal (Morteza Tavakoli), Franitschek (Wolf Bachofner), Angelika (Ursula Strauss), Stefan (Andreas Lust) und Maja (Katharina Straßer) bilden das Ermittlerteam.

Peter Feiler ist tot, umgekommen in der vorangegangenen Staffel bei einer Verfolgungsjagd mit Angelika, doch seine Geschichte ist noch nicht zu Ende erzählt. Die dritte Staffel von Schnell Ermittelt behandelt die Konsequenzen von Feilers Tod – gleich von mehreren Parteien wird Angelika nämlich dafür verantwortlich gemacht. Im Zuge der Ermittlungen gegen Angelika kommt es zur Vertrauensfrage – steht ihr Team hinter ihr und ihren Methoden?

Von den Fällen her gesehen ist die dritte Staffel ein sehr ausgewogener und vielfältiger Mix. Gleich zu Staffelauftakt ermittelt Angelika in „Margarete Laub“ undercover in einem Kloster – ein verhältnismäßig recht simpler Fall, aber mit vielen goldenen Momenten der Situationskomik dank Ursula Strauss als Nonne. Anschließend geht es um den Todesfall von „Tamara Morgenstern„, einer Schulkameradin Angelikas, die bei der Maturafeier ums Leben kam. Wieder ein anderer Fall, „Marvin Jäger„, sieht das Ermittlerteam mit einem Serienmörder konfrontiert, der Wien mit Scharfschützengewehr unsicher macht. Und sonst gibt es natürlich auch viele klassische Fälle, in denen das Team zum Tatort gelangt und dann die Verdächtigen ausforscht.

Quelle: filmstills.at

Folge 3.08, „Klaus Karner“, wurde zum Teil am Life Ball gedreht.

Gleich zu Beginn sehen wir uns mit einem neuen Charakter konfrontiert, der für Angelika große Probleme verspricht: Oberst Schuster von der Internen, der Angelikas Mitschuld an Feilers Tod feststellen soll. Schuster glaubt, dass Angelika mit Feiler kooperiert hätte, da sie schließlich eine Beziehung mit ihm geführt hatte und wohl auch deshalb von ihm (im Finale der ersten Staffel) am Leben gelassen wurde. Als er sie nun fallen gelassen hätte, oder vielleicht weil er Maja entführt hatte, musste sie ihn dann umbringen – so Schusters Theorie.

Das schmeckt Angelika natürlich gar nicht, falsch verdächtigt zu werden. „Wissen Sie, was ich glaube? Ich glaube Sie sind ein Idiot.“ pfeffert Angelika Schuster beim Interview entgegen. Nicht unbedingt förderlich für die Beziehung zwischen dem Oberst und ihr, und sie bleibt auch die ganze Staffel über mehr als gespannt. Schuster verhört in den ersten paar Episoden Angelikas Team, und seine Fragen sind zwar sehr suggestiv gestellt, haben aber teilweise auch Wahrheitsgehalt: Angelika hält sich nunmal nicht immer so ganz an die Vorschriften, und grad im Fall Feiler war sie gezwungen, auf eigene Faust zu handeln.

Angelika wird durch die laufenden Ermittlungen ganz schön unter Druck gesetzt – unter anderem auch darum nimmt sie gelegentlich Beruhigungstabletten. Sie wird dadurch aber auch leicht paranoid und kommt zur Überzeugung, dass jemand aus ihrem Team sie an den Schuster verraten würde, was sich schlussendlich als falsch herausstellt. Trotzdem muss sie sich der Frage stellen, wem sie ihre Gedanken über den doch noch nicht ganz verdauten Fall Feiler anvertrauen kann. Zu allem Überfluss lügen dann auch noch Jan und Katrin sie an, als sie sich (in „Helmut Schafranek„) einen Saufabend gönnen und Jan mit Blutvergiftung im Krankenhaus eingeliefert wird. Da werden die Kinder optimal so eingebaut, dass es sich nicht mit den Ermittlungen trifft, dennoch eine Paralllele zu Angelikas Büroleben bilden. Schade, dass das die einzige  Angelika erleidet jedenfalls einen herben mentalen Rückschlag, und Stefan ist es, der sie auffängt.

Allerdings ist sie selbst da ja auch kein Engel in Sachen Vertrauen. Beispiel Karl Esch: Der mehrfache Frauenmörder schickt ihr aus dem Gefängnis eine Botschaft, die darauf deutet, dass er wichtige Informationen über Feiler besitzt. Angelika interessiert sich natürlich dafür, verschweigt es aber vor Franitschek und Co., lügt sie sogar an. Selbst als Franitschek sie zur Rede stellt und sie ihm einmal die Wahrheit erzählt, um es sich nicht gänzlich mit ihm zu verscherzen, wird sie bald wieder rückfällig und lügt ihn erneut an. Gegen Ende der Staffel bringt sie ihr falsches Spiel in eine brenzlige Situation.

Quelle: filmstills.at

Karl Esch (Cornelius Obonya) gibt vor, mehr über Angelika und Feiler Bescheid zu wissen. Neugierig besucht sie ihn mehrmals im Gefängnis.

Esch ist ein leicht frustrierender Charakter – zuerst rückt er ewig nicht mit Informationen raus, und als er sie dann endlich rausrücken wollte floh er stattdessen aus dem Gefängnis. Das ist einfach zu erklären: Esch hatte nie wirklich etwas in der Hand, das er Angelika anbieten hätte können, stattdessen schielte er einzig und allein auf einen Ausbruchsversuch. Auch wenn das eine zufriedenstellende Lösung ist hätten die Dialoge noch einen Tick intensiver sein können. „Sie sind wie wir, Peter hat das erkannt“, erzählt er Angelika einmal und spricht davon, dass sie anders und einzigartig sei. Ansonsten beschränken sich die meisten seiner Aussagen auf Vertröstungen – dadurch wirkt er weniger enigmatisch, als er es gern gewesen wäre.

Trotzdem sind wir dann sehr schockiert, als er zuerst ausbricht und in der vorletzten Folge, „Karl Esch„, in einer erneuerlich überraschenden Wendung umkommt. Esch war nur ein Versatzstück im Katz-und-Maus Spiel, das wir in den letzten beiden Folgen zwischen seiner Mörderin Maria Winter (der Gefängniswärterin) und Angelika miterleben. Diese zwei Folgen sind mit Sicherheit der Höhepunkt von Staffel 3 – ein sehr persönlicher Fall, bei dem Angelikas gesamte Zukunft auf dem Spiel steht.

Der Verdacht fällt nämlich auf Angelika selbst, den Esch umgebracht zu haben, und es ist bitter mitanzusehen, wie immer mehr Puzzleteilchen in diese Geschichte passen. Sie war der einzige Besucher, den Esch hatte, auf sie passten die Personenbeschreibungen der Zeugen im Hotel – und schließlich finden die Beamten auch noch einen Zellenschlüssel und Eschs Pullover in Angelikas Besitz.

Franitschek sieht viele Hinweise, die auf Angelika deuten würden, beschließt zuerst jedoch, diese zu ignorieren. Doch bald wird die Indizienlast erdrückend – und Franitschek sieht sich gezwungen, sie zur Rede zu stellen. Angelika nimmt es zuerst locker, doch bei den Worten „Es wär ja nicht das erste mal, dass du dich mit einem Serienmörder einlässt.“ platzt ihr der Kragen. Ungewöhnlich provozierend für Franitschek, doch bei ihrem verdächtigen Verhalten und all den Indizien kann er einfach seine Augen nicht mehr verschließen.

Es sind die gesammten letzten fünfzehn Minuten von „Karl Esch„, die das Herz höher schlagen lassen, in einem Wort: eletrisierend! Franis Konfrontation mit Angelika ist großes Kino. Fassungslos schauen wir mit Maja zu, wie Franitschek den Schuster anruft und Angelika meldet. Im Grunde muss man ihn da aber in Schutz nehmen – was sollte er denn tun? Er kann sie nicht einfach decken, wenn wirklich alles dafür spricht, dass sie es war. Nicht zuletzt hätte Angelika aber auch das gleiche getan – grade mal zwei Folgen zuvor, in „Helmut Schafranek„, hatte sie selber noch ihren Ex-Mann verdächtigt. Nicht wirklich, aber routinemäßig musste sie es überprüfen. Insofern tut sie dem Franitschek unrecht, wenn sie das Gefühl hat, er hätte sie verraten. Er hätte aber schon mehr Hebel in Bewegung setzen können, um Angelikas Unschuld zu beweisen: Mit seiner Aussage „Wenn du unschuldig bist wird das schon herauskommen!“ tut er als Mordkomissar jedenfalls nicht seine Pflicht.

Zu Hause findet sie Trost bei Stefan, der trotz Freundin Susanne auf Angelikas Annäherung eingeht: „Hat die Susi was dagegen, wenn du heut bei mir schläfst? Ich… ich hab so eine Scheißangst vorm Alleinsein.“ Und in der Nacht… finden sie zusammen! Darauf haben wir eine lange Zeit gewartet, doch das Glück ist nicht von langer Dauer: Wir sehen die beiden noch ein fröhliches Abendessen mit ihren Kindern teilen, dann bricht Angelika auf, um den Fall zu lösen.

Strukturell funktioniert das zwei-episodige Finale ebenfalls ausgezeichnet. Hier werden die zwei Handlungsstränge, die in der Staffel eingeführt wurden – Esch und Schusters Untersuchungen – sehr elegant miteinander verbunden und schließlich auch sehr zufriedenstellend gelöst. Außerdem hat wirklich jeder Charakter aus dem Team was zu tun, insbesondre auch Kemal und Maja, die sonst oft nur im Büro was zu tun haben und hier effektiv in die Hauptgeschichte mit eingebaut sind.

Die finale Episode trägt den Titel „Angelika Schnell“ und beginnt mit einer Traumszene, die ebenso ominös Angelikas Tod andeutet. Der Titel der Folgen, die ja immer das jeweilige Mordopfer benennen, wird hier zum effektiven Stilmittel, das Spannung aufbaut. Auch in „Marvin Jäger“ war das schon der Fall gewesen, als dieser Name nicht unter den ersten drei Opfern des Snipers war.

Angelika beginnt die Episode in der U-Haft – einer der seltenen Momente, in denen wir sie straucheln sehen: „Ich halt das nicht mehr aus, ich dreh durch.“ Zum Glück wird sie bald entlassen, da eine Zeugin ihre Aussage zurücknimmt, und so hat sie wieder freie Bahn für eigene Ermittlungen. In der Zelle hatte sie ja Zeit genug, um über den Fall ausgiebigst nachzudenken, und kommt zum Schluss, dass es Maria Winter, Eschs Gefängniswärterin, gewesen sein muss – sie ist beispielsweise die einzige, die ihr die Schlüssel und Eschs Pulli unterjubeln hätte können.

Quelle: tvmovie.de

Angelika wird in Handschellen abgeführt. Oberst Schuster (Markus Hering) klopft Franitschek anerkennend auf die Schulter: „Jetzt steht Ihrer Beförderung nichts mehr im Wege.“

Winter stellt sich als die ehemalige Geliebte von Peter Feiler heraus – in ihrer Wohnung entdecken wir etliche Gemälde und Zeichnungen, die von Feiler stammen. Tolles Set! Auch sonst wimmelts dort nur so vor Beweismaterial – die Perrücke, Klamotten in Eschs Größe, von Winter selbst geschossene Überwachungsfotos von Angelika und so weiter. Es ist schön, die alle zu sehen, aber vielleicht auch ein Stück übertrieben – Winter wird als allzu naiv dargestellt. Sie schafft ihre Beweise nicht weg, sondern lässt sie überall in ihrer Wohnung rumliegen – passt das zusammen mit der lückenlosen Indizienreihe, die sie Angelika angehängt hat? Auch als Angelika sie schlussendlich konfrontiert stellt sie sich recht dumm an, als sie der suspendierten Frau Chefinspektorin ihre Motive anvertraut – Angelika zeichnet das Gespräch auf. Das ist auch mein einziger Kritikpunkt am fulminanten Finale – die Überführung der Frau Winter war eigentlich ziemlich einfach.

Winter flüchtet in eine stillgelegte Zugstation – ein Klassiker als Set, nächtlich toll in Szene gesetzt. Das Spannende an der Szene ist ja, dass es vier verschiedene Parteien gibt, die durch diese Halle schleichen: die flüchtende Winter, die Winter jagende Angelika, den Angelika jagenden Schuster und den Angelika und Winter suchenden Franitschek. Und dann kommts zur Tragödie – während Franitschek Maria Winter abführt treffen Angelika und der Schuster aufeinander. Nicht die erste Konfrontation der beiden in dieser Staffel, doch die schwerwiegendste: Oberst Schuster erstreckt sich und drückt ab. Als Franitschek ankommt und den Schuster etwas von „Es war Notwehr!“ stammeln hört, ohrfeigt er ihn erst einmal, bevor er sich zu Angelika runterbeugt. Ausgleichende Gerechtigkeit, die uns Schnell Ermittelt hier liefert.

Beendet wird die Staffel mit meiner persönlichen Lieblingsszene, die einfach wunderbar eingefangen wird: Angelika liegt auf einer Bahre im Krankenhaus und wird Richtung Operationssaal geschoben. An ihrer Seite laufen Franitschek und Stefan. Angelika quasselt auf die beiden ein, während diese ihre Sorge und Schuldgefühle zum Ausdruck bringen. Die Kamera fokussiert kurz auf Angelikas Hände, die Stefan langsam entgleiten und auch Franitschek zurücklassen (oh die Symbolik!) Die Kamera bewegt sich zurück auf Angelikas Gesicht, und mit Erschrecken stellen wir fest – da ist eine Atemmaske über ihrem Gesicht! Sie hat gar nicht zu Franitschek und Stefan gesprochen, das war nur eine Vision! Es steht um Angelika schlimmer als zuerst angenommen. Untermalt wird die tolle Regie- und Kameraarbeit von Lothar Scherpes verunsicherendem, unruhigem Geklimpere. Brilliant.

Was in der ORF-Ausstrahlung wahrscheinlich nicht zu sehen war ist der Abspann der Folge. Diese zeigt der ORF nie, schneidet damit aber hier eine kleine Zusatzinformation ab: Im Gegensatz zu den schwarzen Abspännen mit weißer Schrift ist in dieser das Farbschema vertauscht, passend zum weißen Fade-out. Clever, dass es sich dabei um einen wichtigen Hinweis handelt, wie die nächste Staffel beginnen wird…

Fazit: 8,0 von 10 Punkten.

Die Fälle der dritten Staffel sind bunt gemixt – von humorzentrierten Episoden bis hin zum Serienmörder mit Scharfschützengewehr. Oberst Schuster wird als übertrieben selbstgerechter Ermittler eingeführt, Karl Esch ist ein Serienmörder vom Schlage Feiler – und geschickt werden diese beiden Geschichten in einem langen, groß inszenierten Finale vereint. Die Spannung zwischen Franitschek und der verdächtigten Angelika Schnell war elektrisierend – Staffel 3 von Schnell Ermittelt endete stärker denn je zuvor.

Beste Folgen: 3.09 Karl Esch, 3.10 Angelika Schnell.

„Schnell Ermittelt – Staffel 3″ ist als DVD bei Hoanzl erschienen und beispielsweise HIER erhältlich.

Advertisements

add your bla:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s