South Park 16.06 „I Should Have Never Gone Ziplining“: Short story long.

„If the boys fall asleep now from the lack of excitement… they could die.“

Ah, South Park, was machst du bloß für Sachen? In „I Should Have Never Gone Ziplining“ erzählen Stan, Kyle und Cartman (Kenny nicht, denn der ging hopps) ihre tragische, wahre Ausflugsgeschichte einer Filmcrew, die darum einen reißerischen Bericht macht. Wie sich herausstellt ist der Horror, den die vier Kids miterleben, lediglich die Langeweile, die sie die Episode um ein Haar nicht überleben lässt. Bedauerlicherweise ging es mir genau so.

Cartman, Kyle, Stan und Kenny versuchen, aus diesem Albtraum zu entkommen. "Help!"

Die vier Jungs entschließen sich, ihren letzten Ferientag in den Bergen beim Ziplining zu verbringen. Der Tag verläuft allerdings alles andere als nach Plan – anstatt zu viert ein Abenteuer zu erleben werden sie mit übermotivierten Angestellten und einer nervenden Gruppe konfrontiert. Für die Kinder, die sich viel Action und Adrenalin erwartet haben, der blanke Horror. Einige der Szenen waren schmerzhaft anzuschauen, nicht unbedingt im schlechten Sinne – man stirbt innerlich ein bischen, wenn man vom Gruppenmitglied dessen Lebensgeschichte aufgeschwatzt kriegt, obwohl man davon eigentlich gar nichts wissen möchte. Anstatt „Dude, f*** you!“ zu sagen nehmen die Jungs es zähneknirschend hin.

Zu Beginn macht es noch Spaß, sich die Übertreibungen der Inszenierung anzuschauen. Besonders die Slow-Mos fand ich gelungen, und auch der Kommentator tat das Seinige dazu, die Geschichte zu hypen. Ich nehme stark an, dass South Park da eine US-Serie stylistisch fast 1:1 kopierte – im deutschsprachigen Raum fällt mir da nur Notruf ein, das vor vielen Jahren mal auf RTL lief. Auch bei dieser Sendung gab es Interviews nach den Ereignissen des Dramas, die dazwischen eingeschalten werden. Da können die Amerikaner natürlich ein wenig mehr lachen als wir.

Die Parodie ist nett gemacht, aber schon nach wenigen Minuten geht der Episode die Puste aus. Die Jungs werden weiterhin von ihrer Gruppe malträtiert – mit ewig langen Lebensgeschichten, trödelnden Gruppenmitgliedern und den viel zu breit grinsenden Sicherheitsexperten: „Wohoo, alright, nice zip!“ Vielleicht schmunzelt man zu Beginn, aber bald schon wird die Folge sehr gebetsmühlenartig und schlichtweg öde.

Das ändert sich auch nicht, als Stan, Kyle, Kenny und Cartman den Schauplatz wechseln, denn auch am Ponyhof finden die vier das selbe Bild wie beim Ziplining vor. Natürlich kann man jetzt sagen: Ja, um die Langeweile der Jungs besser rüberzubringen müssen auch die Zuseher das erleben, weil der Gag oder die Botschaft dann umso besser rüberkommen. Langeweile ist aber weder noch.

Manche Gags werden mehrfach angebracht, sind aber schon beim zweiten mal nicht mehr lustig und beim fünften mal dann gänzlich zum Vergessen: Die erste Kamerafahrt durch die Organe der Jungs, unterlegt mit Blabla vom Sprecher, war noch witzig, die vielen Blicke in Cartmans Magen aber einfach unnötig. Und ich muss sagen: manche dieser Kamerafahrten fand ich einfach geschmacklos, auch wenns nur ein Cartoon ist.

Vielen Gags, die „I Should Have Never Gone Ziplining“ versucht anzubringen, fehlt auch einfach der Witz. Die Storyline mit Cartmans Diet Double Dew und seinem unruhigen Magen, Cartmans Furze, Kennys Herpes, oder auch, wie die Kids ihre Unlust über Ziplining ausdrücken – das ist alles irgendwie einfach nicht lustig. In einer Folge, die gar keine Moral anbringen möchte, schon enttäuschend.

Und dann war da noch der Abschnitt im Boot, der erstmals die vier Jungs von echten Schauspielern gespielert zeigt. Ich fand die Szene okay, aber nichts Besonderes – die Jungs sprechen ein wenig dramatischer als für gewöhnlich, um dem Fake-Doku-Stil besser zu entsprechen, waren sonst aber gleich wie immer. Gut, Kenny war anders: Mir gefällt die bewusst faul aussehende Adaption, da er in der Serie eigentlich blondes Haar hat.

Da sitzen die vier Jungs (in einer Stadt?!) und kämpfen ums nakte Überleben. Kyle schlägt vor, Cartmans Diet Double Dew zu teilen - bald schon leiden alle vier an Herpes.

Ich begreife nicht ganz, warum South Park das hier macht – es ist nicht so, dass die Bootsfahrt irgendwie anders gewesen wäre als das Ziplining oder das Pferdereiten. Als jedenfalls Kenny genialerweise tatsächlich an Langeweile stirbt fangen die drei verbliebenen Viertklässler zum Streiten an, und Stan gibt zu, seine Freunde zum Ziplining getrieben zu haben. Jetzt nicht die interessanteste Geschichte, aber okay. Die Jungs haben dafür allerdings alles dabei, was eine gute Bootsfahrt ausmacht: Herpes, Übergeben, Cartmans… „Zündung“ und ein frisches Häufchen Kot. Die Darstellung besonders letzterer ist eher eklig – nicht meine Sache, aber manche finden das bestimmt witzig.

Einzig das Ende rettet die Episode von einer vollkommen vernichtenden Kritik von mir: Diese Happy End Montage war witzig gemacht, vor allem der Bezug aufs Ende der vorherigen Episode, „Butterballs„, als Stans Kampagne gegen Ziplining und seine Videos so erfolgreich werden, dass er erneut einen mentalen Zusammenbruch erlebt. Auch das plötzliche Auftauchen Mr. Hankeys war schön absurd (wenn auch am Boot nicht hübsch anzusehen), und die Wortspiele mit Helicraptor, 7Turdy7 und Poo-choo-express, unterlegt mit der Einblendung „actual rescue photographs“, waren witzig. Ansonsten ist „I Should Have Never Gone Ziplining“ aber zum Vergessen.

Bla:

– Mir gefällt, wie man selbst durch die Berichterstattung zu glauben beginnt, dass sie ewig festgesessen wären, dabei waren es ja laut Einblendungen nur ein paar Stunden.

– „How many iPods is friendship worth? I guess… one.“

– Stans Broschüre auf dem Boot war im South Park Cartoon-Look gehalten. Aus irgendeinem Grund fand ich das witzig.

„That’s Herpes, dude, you got that s*** until you die!“ Für Kenny also heilbar.

„I have a question. Could we review the best ways to hold a rope again, please?“ Das sind die schlimmsten, die allerallerschlimmsten. … Na gut, manchmal tu ichs selber – seufz.

– Süß, wie die Jungs „HELP“ mit Zweigen auf den Waldboden schreiben.

Fazit: 4,0 von 10 Punkten.

I Should Have Never Gone Ziplining„, eine Parodie auf sensationalisierende Nacherzählungen wahrer Geschichten a la Notruf, ist eine öde Episode mit vielen Gags, die schlichtweg nicht witzig sind oder sich zu schnell abnützen. Auch der Realfilmteil der Folge gibt nicht viel dazu – das Ende der Episode war aber witzig. Für mich ein großer Griff daneben.

I Should Have Never Gone Ziplining” ist bis 25.4.2012 und ab Juni 2012 HIER legal und kostenlos auf der offiziellen South Park Homepage verfügbar.

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4 Gedanken zu “South Park 16.06 „I Should Have Never Gone Ziplining“: Short story long.

  1. Ich muss leider zugeben, dass ich sehr lachen musste, als die Jungs durch reale Schauspieler ersetzt wurden. Ich glaube es sollte absichtlich so trashig rüberkommen, weil es im echten Fernsehen eben genauso Banane wirkt. RL-Kyle hat zudem eine gewisse Ähnlichkeit zu Andy Samberg (SNL), der bekennender Boot-Fan ist 😉

    Ich würde der folge 7/10 geben 🙂

    Ich weiß allerdings, dass solche Reisegruppen WIRKLICH so furchtbar sind. Daher konnte ich viel darüber grinsen.

    • „Ich muss leider zugeben, …“ – nicht leider, ist ja umso besser, dass du die Folge genießen hast können! Ich nehme mir nach dem Schreiben meiner Review immer Zeit, die von anderen zu lesen (IGN, AV Club), und da scheinen viele die Episode auch sehr gemocht zu haben.

  2. Pingback: South Park 16.07 “Cartman Finds Love”: Liebespfeile. | Blamayers TV Kritiken

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