Touch 1.04 „Der rote Drachen“: Zeichen und Wunder.

„Wie Sie schon sagten: Es gibt Vieles, das Sie nicht wissen.“

Die Amerikaner haben durchgemacht, bei uns gabs Osterpause – Touch meldet sich mit der Episode „Der rote Drachen„, im Original: „Kite Strings„, jetzt endlich wieder zurück. Wir Deutschsprachigen liegen nun elf Tage hinter der amerikanischen Erstausstrahlung, immer noch weit aktueller als so gut wie alle anderen importierten Serien. Der ORF und ProSieben werden aufatmen – laut quotenmeter.de bekamen sie die neuen Episoden bislang erst bis zu fünf Tage vor den Ausstrahlungsterminen von den Synchronstudios zugeschickt. Das führte unter anderem dazu, dass die Werbespots für Touch nie auf eine aktuelle Folge hinweisen konnten und deshalb recht generisch wirkten.

quelle: offizielle facebook-Seite

Ein roter Drachen lässt Jake (David Mazouz) und Martin Bohm (Kiefer Sutherland) durch die Episode rennen. Hier befinden sie sich am Friedhof, auf dem auch Sarahs Grab liegt.

Natürlich ist das auch ein wenig schade, dass wir nun eine weitere Woche hinter den Amerikanern liegen, da man so als Fan nicht mehr ganz so spoilersicher in amerikanischen Foren, Fanseiten oder auf der offiziellen Facebook-Seite schmökern kann. Aber: Derzeit gibts leider noch nicht wirklich etwas Besonderes, nach dem man stöbern könnte: In „Der rote Drachen“ hat zwar einen guten Episodenplot, lässt die Hauptgeschichte kaum nach vor rollen.

Im Grunde ist die Folge genau so aufgebaut wie die vorherigen: Martin darf mit seinem Sohn Jake einen Tag außerhalb des Heims verbringen, und Jake nützt die Gunst der Stunde die Welt wieder ein wenig mehr heilen zu lassen. Auch diesmal erfahren wir von den verschiedensten Schicksalen, die mit Jakes Eingreifen für immer verändert werden. Überraschung hierbei: Gleich mehrere Charaktere aus früheren Episoden kehren zurück. Der Feuerwehrmann, der Martins Frau Sarah nicht aus dem World Trade Center retten konnte, feiert ebenso sein Comeback wie der irakische Junge Abdul.

Dabei waren diese Kurzgeschichten heute eher minder spannend. Besonders bei Abduls Szenen habe ich mich eher gelangweilt – und das, obwohl wir ihn schon kennen. Ich frage mich, warum man gerade diesen Charakter dann zurückgeholt hat, dessen Geschichte hat mich auch schon beim ersten Mal, im Piloten, nicht vom Hocker gehaun, und eine größere Relevanz in der Gesamtgeschichte wird er voraussichtlich auch nicht haben.

Besser hingegen war der von Titus Welliver verkörperte Feuerwehrmann. Dessen Szenen sind zwar auch weder spannend noch unvorhersehbar (man hat es ja gleich kommen sehen, dass er das Geld für die Reperatur der Kirche ausgeben wird, der Priester hat ja förmlich drum gebettelt), dafür scheint er allerdings eine wichtigere Rolle zu spielen – zumindest hat er mit Sarah zu tun. Ich bin gespannt, ob die Serie noch was Interessantes für ihn in Petto hat.

Gut gefallen hat mir aber, wie heut alles zusammenhing – nämlich einzig damit, dass Jake King Roadie erschreckt und dieser versehentlich 950 statt 50 Volt. Dieser Tippfehler löste im Irak die Rettung der verwundeten Soldaten aus. Auch, dass die Email wegen Jakes Berührung mit der Sat-Schüssel nicht sofort abgeschickt werden konnte, war clever miteingebunden. Die abschließende Szene des Priesters mit seiner Freundin in einem deutschen Krankenhaus war ebenfalls schön gemacht. Ich hatte das Gefühl, dass sie wirklich sterben würde und die beiden nur Gelegenheit zum Lebewohlsagen bekommen haben – das hatte Gefühl, obwohl wir die beiden erst kennen gelernt haben.

Die Hauptgeschichte um Bobby, einen Freund von Sarah, der verstorbenen Ehefrau unseres Hauptcharakters Martin, war auch einigermaßen unterhaltsam. Wir haben wieder ein wenig mehr über Sarah erfahren – unter anderem, dass sie eine treue Ehefrau war, für die Martin aberin den letzten Jahren ihrer Ehe beruflich wenig Zeit fand. Zu Beginn der Folge erfahren wir zudem, dass ihre sterblichen Überreste nicht gefunden werden konnten. Das lässt natürlich die klitzekleine Hoffnung aufkommen, dass sie noch am Leben wäre. Auf jeden Fall hätte sie aber bestimmt noch etwas in ihren letzten Minuten tun können, nachdem der Feuerwehrmann sie verlassen musste – beispielsweise eine letzte Botschaft irgendwo hinterlassen.

Martin scheint darüber aber nicht nachzudenken: Er möchte nur etwas Physisches haben, das ihn seine Ehefrau besser betrauern ließe. Ich dachte schon, dass die Folge mit einem Cliffhänger enden würde, aber wir erfahren doch schon in „Der rote Drachen„, was Sarah für einen geheimnisvollen Termin am 5.September hatte: Sie ließ ihren Ehering reparieren. Und diesen findet Martin beim Juwelier, all die Jahre lang unangerührt. Eine schöne Geschichte, und es tut gut mehr über die Charaktere zu erfahren, die Episode bleibt dabei jedoch sehr in sich geschlossen.

quelle: Touch - offizielle facebook-Seite

Martin findet den Ehering seiner verstorbenen Frau. Eine Metapher?

Kritikpunkt aber: MIr gehts langsam auf die Nerven, wie Martin in jeder Episode „Jake! Jake! Warte auf mich, Jake! Wo willst du hin, Jake?“ ruft und seinem Sohn hinterherjagt. Zumindest ist Jake zum ersten Mal nicht weggerannt und „plötzlich verschwunden“ gewesen.

Leider gabs auch in „Der rote Drachen“ wieder mehrere Momente, die einfach nicht besonders durchdacht geschrieben zu sein scheinen. Der Priester und der Lottogewinner stolpern die Treppe runter… und plötzlich rauscht die Tür hinter ihnen zu, die nicht von innen aufgesperrt werden kann. Hätten sie halt einen Ziegelstein dazwischengelegt! Noch doofer ist allerdings, dass ihr Retter genau den selben Fehler macht (runter geht, während die Tür zufallen könnte), bei dem aber alles gut geht. Übrigens hätten die beiden ruhig auch nach Hilfe rufen können. Oder die Tür aufbrechen, ist ja eh alt. Naja.

Zuerst dachte ich auch, dass die Dachszene mit Jake, Martin und Bobby auch so eine Szene  wäre. Für mich war überhaupt nicht ersichtlich, dass Jake nicht von Martin sondern von Bobby gerettet werden solle. Warum tuts nicht Martin selber? Außerdem war das doch schon ein wenig konstruiert, dass Bobby seine Schuld von damals, Sarah nicht gewarnt zu haben, auf diese Weise vergeben wird. Doch dann schoss es mir: Bei Touch geht es ja genau darum! Dass Jake sich absichtlich in diese Gefahr begeben hat, um von Bobby gerettet zu werden.

Eine andere Theorie wäre, dass sogar Martin selber auf diese Idee gekommen ist! Laut dieser hätte Martin gelogen, als er sagte, dass Jake nicht von ihm selbst sondern von Bobby gerettet werden wolle. Möglich wäre es, aber ich bezweifle meine eigene Theorie, weil das bedeuten würde, dass Martin seinen Sohn aus freien Stücken nicht selbst gerettet hätte. Ich erwähne sie trotzdem, da ich glaube, dass Touch hier eine narrative Goldgrube vorfinden würde: Es ist schon klar, dass Martin niemals die selben Dinge sehen kann, die Jake sieht, aber er könnte lernen, die Welt auf Eigeninitiative ein klein wenig besser zu machen, sozusagen zu „heilen“, wenn er Wunden sieht. So wie in der Fabelhaften Welt der Amelie. Man darf ja träumen.

Bla:

– Gehts nur mir so, dass ich mir schwer tue, dem Anfangsmonolog zu folgen? Unterlegt ist er ja teilweise von ästethischen Bildern, teilweise von kurzen Blicken auf Charaktere, die wir in der Folge treffen werden. Und die deutsche Synchronstimme von Jake ist schon einzigartig, aber auch

– Wie dieser King Roadie mit seiner Freundin umgeht ist ja widerlich. Oder besser, wie sie sich von ihm behandeln lässt. Fast rechnete ich damit, dass sie ihn zum Teufel jagen würde.

„Wenn wir keine Nachricht erhalten heißt das nicht immer, dass uns keine geschickt wurde. Manchmal bedeutet es nur, dass wir nicht aufmerksam genug zugehört haben.

– Endlich mal jemand, der nicht sofort an Zufall und Mutismus glaubt: „Sie sind mir gefolgt!“

– Grober deutscher Synchrofehler: Martin trauert am Grab: „Es bleibt nichts zurück, zumindest nichts Physikalisches.“ Physikalisches? Eher gemeint ist wohl Physisches, und das würd auch mit dem Ring und Sarahs menschlichen Überresten zusammenpassen.

– Titus Welliver wollte sich nur noch auf die Zahlen konzentrieren. Haha, grandiose Anspielung auf Lost.

– Schöne musikalische Untermalung, vor allem beim Priester/Freundin-Gespräch und die Untermalungsmusik beim Abschlussmonolog, sehr dezent.

„Aber wie um alles in der Welt hätt ich wissen können, dass diese verdammten Türme einstürzen?“ – „Ich wusste es.“ Wow, was für ein Kurz-Cliffhänger. Ich hab das sofort so aufgefasst, dass er Mitverantwortlicher bei den Terroranschlägen gewesen wäre. Well played.

– Ha, heut hat Kiefer endlich ein wenig den Jack Bauer aufblitzen lassen, als er Bobby (in dessen eigener Wohnung!) an die Kehler ging. Wussten wirs doch, dass Bauer auch in Touch mitspielt!

– Erstes mal, dass wir die zwei japanischen Mädchen nicht sehen.

Fazit: 7,0 von 10 Punkten.

Touch nimmt wieder ein wenig davon Abstand, den Plot schnell weiterzutreiben – stattdessen webt man eine größenteils interessante, teilweise ein bischen fade, aber in sich geschlossene Geschichte, die uns ein wenig mehr über Martins verstorbene Frau Sarah erläutert. Wie auch schon vor zwei Wochen gibts kleinere Mängel bei Synchronisation und Glaubwürdigkeit einiger Szenen. „Der rote Drachen“ bringt einige Charaktere aus dem Piloten wieder zurück – weshalb, das wissen wir noch nicht, und wies aussieht wird das auch noch eine Weile so bleiben.

Der rote Drachen” ist bis 23.4.2012 HIER kostenlos und legal auf der ProSieben-Homepage verfügbar.

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