South Park 16.04 „Jewpacabra“: Judapacabra.

„You’re wrong, Kyle, God is not a d*ck!“

Die Osterzeit ist da, Palmsonntag schon vorbei und Montags wird dann Jesus wie jedes Jahr brav und pünktlich wiederauferstehen. Auch in South Parks neuester Folge, „Jewpacabra„, dreht sich alles ums Osterfest und dessen jüdisches Pendant, dem Pessach (engl. Passover). Und ausgerechnet Cartman, der doch Kyle ständig wegen seiner Religion zur Schnecke macht, wird zu dessen großem Anhänger.

Quelle: southparkstudios.com

Cartman wird im Park als Osterhase ausgesetzt, um das Jewpacabra anzulocken.

Es beginnt allerdings alles aber ganz ganz anders, nämlich mit einer typischen Cartman-Intrige. Cartman möchte beim städtischen Eiersuchevent als einziges Kind zugelassen werden und fabriziert deshalb die Geschichte des Jewpacabras, eines Monsters, das nun zur Pessach-Zeit in South Park sein Unwesen treibe. Gemeinsam mit dem verängstigten Butters zieht er nachts aus, um ein Video des Jewpacabras zu drehen.

Sie erhaschen einen kleinen Schemen auf Band und zeigen dieses den Vorständen von „Sooper Foods“, der Firma, die das Eiersuchen veranstaltet. Diese misstrauen Cartman zwar, geben aber zu, dass es eine 0,000000001%-ige Chance gibt, dass es den/das Jewpacabra tatsächlich gibt. Oberste Gebote für Sooper Foods sind „Fun“ und „Safety“, und man will wirklich auf Nummer sicher gehen: Cartman wird beauftragt, das Problem zu beseitigen.

Es ist nicht langweilig, aber man kennt das Prozedere, dem die Folge folgt. Man hat da Gefühl, das schon zig mal bei South Park gesehen zu haben – und das nicht nur wenige Minuten lang, sondern eigentlich mehr als die Hälfte der Folge. Kaum verwunderlich, dass dann bald die Monsterexperten von der „Bigfoot Field Researchers Organization“ zu Rate gezogen werden, die natürlich Vollidioten sind und es mit fahrigen Gründen tatsächlich als Jewpacabra identifizieren – zu Cartmans Verwunderung! Auch stellen sie die Vermietung in den Raum, dass Jewpacabra nun Cartman aufsuchen will, nachdem er für die Videoaufnahme verantwortlich ist.

Cartman ist außer sich vor Angst und sucht Schutz in einer Kirche, da Jesus ja der natürliche Feind des Jewpacabras ist – stattdessen suchen ihnaber die Vorstände von Sooper Foods auf. Hier wird die Episode erst so richtig interessant, der lange erste Part scheint da nur als Aufwärmübung gedient zu haben: Cartman wird als Osterhase verkleidet und blutverschmiert im Park angekettet, um das Jewpacabra zu besänftigen. Ein herrlicher Cartman-Moment, nicht nur in ästhetischer Hinsicht: Zu selten sehen wir Cartman wirklich unter Druck, und das ist eine der raren Szenen, in dem es im wirklich Leid tut.

Als die Bigfoot Field Researchers Organization auftaucht, verwechseln sie Cartman mit einem anderen Fabelwesen und betäuben ihn. Cartman träumt in seiner Betäubung von Moses‘ Gelobnis, die Juden aus Ägypthen zu führen. Cartman ist dabei der Sohn des Pharaos und erlebt die Froschplage hautnah mit. Diese ist übrigens einfach klasse animiert, insbesondre die Sterbeanimation der Frösche lässt einen schon fragen: Hätte Gott nicht auch einfach tote Gegenstände runterregnen lassen, Möbel oder so, anstatt Frösche systematisch zu töten?

Da ist die Gefahr für mich jetzt natürlich groß, hier eine tödlcihe Debatte über Gott und die Bibel und den ganzen Rest zu starten, ich versuche aber, bei den Punkten zu bleiben, die South Park macht. Die Serie argumentiert nämlich, dass ein gutmütiger, gerechter Gott wohl kaum so etwas tun würde wie unschuldige Kinder umzubringen – insbesondre nachdem Jehovah den Pharao vorher dazu brachte, die Sklaverei eben nicht abschaffen zu lassen! Ich kenne die Geschichte, aber letzteres ist mir neu – zumindest South Park behauptet das. Gottes Zorn darf Cartman dann aber am eigenen Leib (im Traum) erfahren: zuerst sieht er Juden Lämmer opfern, anschließend unschuldige Kinder sterben und schließlich explodiert ihm sogar der eigene Kopf.

Quelle: southparkstudios.de

Cartman als Sohn des Pharao: „That just seems kind of… mean to frogs, Kyle.“

Am nächsten Tag findet dann doch noch die Ostereiersuche statt. Cartman ergreift die Chance, um die (vermeintliche) Moral der Episode zu verkünden: „Deny christ!“, predigt er seinen Kameraden und -innen, nachdem er seine Freude über sein Überleben ausgedrückt hat. Die Episode endet mit einem Dialog, mit dem man wohl nie hätte rechnen können – Cartman empfindet wahre Empathie für Kyle. Cartman erzählt ihm, er wisse nun, wie sich das anfühlt: „knowing your religion is right but being laughed out by everyone else.“ So ein friedvolles Ende hat South Park selten zu bieten, und schon gar nicht mit Cartman! Ich lächelte am Ende der Episode äußerst zufrieden – und das nicht zum letzten Mal zu dieser Folge. Denn die Folge bietet ordentlich Gesprächsmaterial.

Phänomenal gut ist nämlich die Mehrdeutigkeit des Endes. Einerseits schlägt sich Cartman urplötzlich nach all den Jahren des Spotts auf die Seite des Judentums. Kyle zweifelt zwar an Cartmans Motiven, aber Cartmans fröhlich-freundliches „Oh, and Kyle? Happy Passover!„, untermalt von gläubiger Musik, scheint klar zu machen, dass er es ausnahmsweise ehrlich meint. Trotzdem muss man bedenken, dass die furchtbaren Dinge, die er im Traum gesehen hat, ein Katalysator dafür sind. South Park stellt hier, gewieft subtil, die Frage, ob es richtig sein kann, dass Glaube durch Angstmacherei entstehen soll. Aber das ist nur eine (meine) Deutung dieser Bekehrung Cartmans und dem Friedensschluss mit Kyle. Vielleicht habt ihr ja eine andere.

Bla:

– Lockruf für das Jewpacabra: „Jesus is a lie!“

– Den kurzen Abstecher nach „Atlantis“ hätt ich eher fad gefunden hätte mir das Atlantis-Set nicht so gut gefallen. Das war ein echter Hingucker und machte diesen Umweg auf jeden Fall den Aufwand (und seine Sendezeit) wert.

– Spitze ist auch die Szene mit den Kindern beim Ostereisuchen. Dutzende kleine Rangeleien und Gemeinheiten finden da statt, so richtig scheint sich niemand zu amüsieren, und die Eltern stacheln die Kinder auch noch zum gegenseitigen Bugsieren an.

– Sonst gabs jetzt aber eigentlich keine großen Lacher. Auch die oben genannten Szenen sind keine LOL-Momente sondern mehr nice-to-watch.

Fazit: 7,5 von 10 Punkten.

Jewpacabra“ ist visuell ansprechend und hat einige sehr schöne Cartman-Charaktermomente zu bieten. Verhaltener als gewöhnlich geht man mit dem Thema Religion um – ob man diese Subtilität schätzt oder nicht ist jedem selbst überlassen. Das Ende der Episode ist schön gemacht – davon abgesehen aber ist die erste Hälfte der Folge jedoch sehr generisch und einfallsarm – ich wünsch mir da mehr Dampf.

“Jewpacabra” ist bis 11.4.2012 HIER legal und kostenlos auf der offiziellen South Park Homepage verfügbar.

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