Touch 1.01 „3:18“: Pilot.

„Die Muster lügen nie.“

Für gewöhnlich schreibe ich meine Rezensionen nicht nur in chronologischer Reihenfolge, sondern vor allem auch über aktuelle Serien, bei denen ich den Inhalt der künftigen Episoden nicht kenne. Bei Touch mache ich das hier ausnahmsweise anders, da ich erst im Nachhinein bemerkte, dass der einstündige Pilot auch immer noch auf der Pro7-Homepage aufrufbar ist (Link befindet sich am Ende dieses Artikels).

Touch ist das neueste Projekt von Tim Kring, der Anno Dazumal mit Heroes bärenstark gestartet war, die Serie dann aber in sich selber zusammenfallen ließ. Touch verspricht auch, eine ganz große Serie werden zu können: Mit Kiefer Sutherland hat man  sich einen mehr als prominenten Hauptcharakter gefunden, und die Cinematographie befindet sich auf einer ähnlich starken Ebene wie in Heroes.

Quelle: thepcprinciple.wordpress.com

David Mazouz ist Jake, ein übersinnlich begabter Junge, der die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft in einer Sprache der Zahlen sieht.

Die Vermarktungsstrategie möchte ich allerdings ganz besonders hervorheben: Touch wird nur mit minimaler Verzögerung zum US-Start gesendet, derzeit sind wir gerade einmal eine Woche im Rückstand, und dieser lässt sich wohl durch die Synchronasitionsarbeit erklären. Das gab es in dieser Form für eine teuer produzierte amerikanische Dramaserie noch nie – und es bleibt nur zu hoffen, dass das Schule machen wird. Das mindert nicht nur de Anzahl der piratierten Episoden, sondern lässt auch uns Zusehern im deutschsprachigen Raum ein wenig den Hype der US-Serien miterleben, der ja bei halbjährlich versetzten Serien gänzlich flachfällt. In diesem Sinne drücke ich Touch schonmal die Daumen – ich wünsche mir, dass die Episoden meiner Hoffnung gerecht werden. So wie „3:18“.

Die Synopsis der Serie nochmal ganz kurz zusammengefasst: Der autistische und stumme Jake sieht Zusammenhänge – das, was die meisten Menschen als Chaos ansehen, folgt raffinierten Verhaltensregeln. „Mutismus“ nennt sich diese Philosophie in der Serie, und es ist Martins (Sutherland) Aufgabe, die Botschaften seines Sohnes zu interpretieren und so die Welt zum Positiven beeinflussen.

Im Piloten lernen wir Martins Familiensituation ein wenig kennen – seine Frau ist kurz nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes bei 9/11 im World Trade Center umgekommen. Ob das was mit Jakes Autismus zu tun ist unbekannt, aber darf sicher später in der Serie noch näher herausgefunden werden. Dass seine Frau eine geschickte Managerin war erklärt auch Martins riesige Wohnung, ein schöner Schauplatz, groß genug, um auch mal größere Visionsbilder von Jake malen zu lassen. Martin hadert jedoch gerade jetzt, da Jake seine Visionen mitzuteilen hat begonnen, wie einen stummen Schrei. Sutherland bildet das emotionale Zentrum der Serie und zeigt eine komplett andere Seite als Jack Bauer. Beste Szene: „Ich hoffe du verzeihst mir, Sarah, denn ich kann dir nicht verzeihen.“

Weiterer Fokus der ersten Folge ist die sich entwickelnde Beziehung zwischen Jake und Martin. Mir ist nicht ganz klar, warum und ob in der Serie Jakes übersinnliche Fähigkeiten und Botschaften erst kürzlich aufgetaucht sind ober ob Martin sie bislang einfach ignoriert hat – was also dazu führt, dass sie genau jetzt eine bessere Beziehung miteinander beginnen. Dass Jake sich erstmals von Martin berühren hat lassen war der erste Erfolg der Beziehung, der auch verheißen soll, dass Martin nun auch die Gabe besitzt, mit einer Berührung die Berührung Jakes weiterzugeben.

Weniger gefallen tun mir derzeit noch die weiteren Nebencharaktere. Gugu Mbatha-Raw ist im Piloten und dann auch in der zweiten Folge („Der blaue Planet“) ein sehr wenig entwickelter Charakter, und das obwohl ihre Clea Hopkins die wohl drittgrößte Rolle der Serie sein soll. Danny Glover als Arthur Teller hingegen hilft dem Publikum, die Regeln der Serie zu verstehen, bleibt aber genauso wie die Jugendamtbeauftragte vorerst dezent im Hintergrund. Sutherland und David Mazouz beherrschen als Vater Martin und Sohn Jake so gut wie alle Szenen, die in New York spielen.

Das tun aber nicht alle – einen guten Teil des Piloten (und in der Tat auch der meisten weiteren Folgen, so wies aussieht) verbringen wir mit mehreren verbundenen Geschichten, die teilweise die ganze Welt umspannen. In „3:18“ erfahren wir unter anderem von einem irakischen Jungen, der ungewollt beinah zum Selbstmordattentäter wird, der Feuerwehrmann, der Martins Frau nicht aus den Zwillingstürmen hat retten können, die anstrebende Sängerin, der Mann ohne Tochter, und so weiter. Helden aus der zweiten Reihe.

Quelle: environment-clean-generations.blogspot.com

Muster, wie sie in der Serie beschrieben werden, befinden sich überall auf unserer Erde. So folgt beispielsweise die Pollenanahl einer Sonnenblume einem ganz bestimmten mathematische Muster, von Mutter Natur selbst berechnet.

Es gelingt gut, undurchschaubar bis spät in der Folge zu sein. Vielleicht kenne ich den Feuerwehrmann, gespielt von Titus Welliver, zu gut als „Man in Black“ aus Lost, denn bis kurz vor Ende hielt ich ihn eher für einen Terroristen. Ebenso den Vater des verstorbenen Kids, dessen Motive und Beziehung zu seiner Frau wir nicht gleich deuten konnten. Die Verbindungen waren ein klein wenig holprig (Happy End in Baghdad? Überdramatische Bombenentschärfung?), aber im großen und Ganzen zufriedenstellend. Besonders der emotionale Lohn ist groß, als Simon in Tokyo die letzten Fotos seiner verstorbenen Tochter auf den Großbildschirmen. Ich glaube, dass solch eine Szene die Grundessenz dessen ist, was Touch gern wär: Man glaubt plötzlich wieder das Gute im Menschen, das Gute im Leben. Man sieht diese Begebenheit, und der Verstand sagt einem, was für ein glücklicher Zufall das doch war, aber das Herzgefühl weiß es besser: es ist so passiert, weil es so sein sollte. Episch, ganz großes Kino.

Fazit: 7,5 von 10 Punkten.

Touch ist eine Serie, bei der die Zutaten stimmen: toller Hauptdarsteller, ästhetisch, leicht esoterisch aber trotzdem mainstream genug. Die Geschichten sind in „3:18“ und in Folge 2 „Der blaue Planet“ noch ein wenig überbeschönigt, aber man hat das Gefühl, dass hinter der Serie Leute stehen, die wissen, was sie tun. Für die Zukunft wünsche ich mir, das Hauptcharakternetz zu verdichten und Martin, Jake, Clea, Arthur und Co. mehr miteinander interessant agieren zu lassen. Ganz im Anfangsstadium braucht Touch das aber noch nicht, zuerst geht es erst einmal, die Welt der Serie zu etablieren. Ich lächle zuversichtig, wenn ich schreibe: Mission geglückt.

“3:18″ ist vorübergehnd HIER frei und legal auf der Pro7-Homepage verfügbar.

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2 Gedanken zu “Touch 1.01 „3:18“: Pilot.

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