Touch 1.02 „Der blaue Planet“: Muster.

„Meine Aufgabe ist es, den Überblick über diese Zahlen zu behalten und die Verbindung für die herzustellen, die sie finden müssen – für die, deren Leben sich berühren müssen.“

Touch ist die Geschichte des 11-jährigen, stummen und autistischen Jake, der die Muster und Zusammenhänge unserer Welt sehen kann. Für ihn ist das Leben aus Zahlen ausgebaut, und alle Dinge der Erde lassen sich durch solche erklären. Jake kann diese Zahlen und Gleichungen lesen und versucht so, durch kleine Gesten große Konsequenzen zu erreichen. Doch da er sich schwer damit tut, mit der Außenwelt zu kommunizieren, muss sein Vater Martin die Rolle der rettenden Hand übernehmen.

Quelle: wikipedia.org

Das Poster greift die Thematik der Serie erstaunlich ästhetisch auf: viele Blickwinkel, Zusammenhänge und Muster. Kiefer Sutherland sorgt für die nötige Publicity.

Da der Hauptcharakter ja nicht seinen Mitmenschen erklären kann, was er sieht und in ihm vorgeht, gibt es da den Charakter des Professors Teller, der sich mit der Magie der Zahlen auskennt. Derzeit streift die Serie jedoch nur über ihn, da sie sich anderer Mittel der Exposition bedient. Wir erfahren von der Prämisse der Zusammenhänge auf dreierlei Art, und Touch vollzieht das Kunststück, diese auch ale geschickt einzusetzen: der Erzähler, die Visualisation, und die Geschichte.

Jake ist der Erzähler, und da muss die Serie natürlich aufpassen – zu viel will sie ja nicht verraten. So lässt man Jake in dieser ersten Episode nach dem Piloten, den ich leider verpasst hatte, lediglich die Einleitung und den Epilog erzählen, in denen er darüber philosophiert, dass sich die Leben mancher Menschen berühren sollen. Diese sind nicht nur ästhetisch, sondern lassen uns auch ein wenig weiter hinter die Maske von Jake sehen als die Charaktere. Das gibt mir persönlich Zuversicht, dass uns noch viel in der Entwicklung des Charakters bevorstehen wird – und, dass das kein so gesichtloses Gesicht wie Dylon in Flash Forward sein wird.

Visuell gefällt mir Touch gut, wenn auch nicht phänomenal. Ich mag die generelle Ästhetik, die Tim Kring und Co. sich für die Serie ausgesucht haben – manche Szenen würde ich als „hyperreal“ bezeichnen: vielleicht kommt es daher, weil das Licht zu hell ist, aber ich hatte mehrmals das Gefühl, als stecke da noch mehr hinter der Welt als das, was wir sahen. Insbesondre bei Pavels Szenen in Russland merkte man die Lichtbearbeitung. Auch den Vorspann von Touch finde ich visuell fabelhaft: Muster, Menschen, Maße, Massen, Zahlen, Menschenleben, und alles von einem ganz besonderem Licht erfüllt. Einzig die Musik finde ich schrecklich gewählt – zuerst wirkt das Lied sehr atmosphärisch, doch die zweite Hälfte des Vorspanns ist plötzlich disharmonisch.

Inhalt:

Und der dritte Agent, der das Motiv der Serie verkörpert, ist die Geschichte der Serie: Eine zuerst ungenannte Stewardess jagd einen entlaufenen Hund am Flughafen, als sie einen Inder trifft, der die Asche seines Vaters auf einem Baseballfeld verstreuen möchte. Martin begiebt sich auf Geheiß von Jake zu einem Pfandhändler hin, der prompt überfallen wird von einem ehemaligen Erdnussverkäufer. Dieser schuldet einem russischen Gangster Geld und muss nach dem missglückten Überfall die Kohle woanders herkriegen. Niemand will jedoch den von ihm erbeuteten berühmten Baseball abkaufen, und da er diesen (wie durch einen Zufall) schon einmal besessen hatte, gibt er ihn dem Baseballspieler im Baseballstadium zurück, der ihn einst geschossen hatte. Er stellt sich dem russischen Gangster, ohne das Geld für ihn zusammengekratzt zu haben.

Die Stewardess ist inzwischen mit dem Inder zum Baseballstadium gefahren. Zuerst finden sie keinen Eingang, da der Platz natürlich geschlossen ist, aber als der Erdnussverkäufer aus dem Stadium schlendert, sieht er seine Chance. Die Stewardess erspäht jedoch zufällig den entlaufenen Hund und läuft ihm hinterher.

Martin hat in der Zwischenzeit nicht nur den Erdnussverkäufer in der Wohnung des Pfandhändlers Arnie gesehen, sondern auch einige Pillen, die darauf schließen lassen, dass dieser an Krebs leidet und sich nicht behandeln lässt. Zudem findet er Briefe seiner ihm fremd gewordenen Tochter Becca. Martin beschließt, Arnie im Krankenhaus zu besuchen, findet das Bett jedoch leer vor. Er sieht ihn jedoch vom Fenster aus, wie dieser auf die Brücke schlendert, mit der Absicht, sich sein Leben zu nehmen. Martin rennt zu ihm und versucht ihn davon zu überzeugen, dass das alles kein Zufall sein kann. Und dann taucht die Stewardess auf, immer noch auf der Jagd nach dem Hund, und fragt ungläubig: „Dad?“

All das wurde ausgelöst durch Jake, der Butterfly-Effekt lässt grüßen. Durch seine aufgeschriebene Nummer lässt er Martin handeln – er lenkt die Stewardess ab, sodass der Hund frei kommt, er verhindert den eingefädelten Raub beim Pfandhändler, bringt den Räuber (den Erdnussverkäufer) zur Vernunft und schließlich auch Becca mit ihrem Vater zusammen. Ich konnte besonders bei dieser letzten Wendung nicht umhin zufrieden zu grinsen – ich hatte das Gefühl, dass es so „einfach richtig“ ist, wie es geschehen war. Das war zwar so vorauszusehen, der emotionale Seufzer meinerseits jedoch nicht, und dieser sagt mir, dass die Gesamtgeschichte von „Der blaue Planet“ funktioniert hat.

Jake (David Mazouz) und Martin (Kiefer Sutherland) im Kampf gegen oder für das Schicksal – je nachdem, wie man das sehen möchte.

Stil:

Es ist ein Märchen, das uns Touch da auftischt. Es ist schön, es ist rund, und es ist brav. Da es die erste Folge der Serie ist, kann ich den Zuckergussherangang gut verstehen. Dieser sorgte für wenig Drama, aber umso mehr „och wie süß“-Momente. Man wünscht sich einfach, dass eine Geschichte  von reichen Zusammenhängen durchwoben ist, und darauf versteht sich die Serie sehr gut. Touch ist ein serielles Drama, diese Episode existiert jedoch für sich mit nur minimalen Fortbewegungen. Und das ist gut so – man lässt der Serie Zeit, ihre Welt aufzubauen. Ich nehme an und erhoffe es mir auch, dass die ersten paar Folgen diesem Schema folgen werden und erst nach und nach eine sich steigernde Geschichte erzählen werden.

Vielleicht drückte man zu sehr auf die Zuckerglasurtube – wirklich jeder bekam sein Happy End heute, und sei es noch so abwegig. Manche Zusammenhänge waren auch nicht so felsenfest wie sie sein sollten – der russische Gangster, der plötzlich sentimental wird, war nun wirklich nicht das Glaubhafteste. Der Inder gab plötzlich gar schnell auf, ins Stadium zu gelangen (Hallo? Brich halt einfach in der Nacht ein.), und Pavels Verschmähung seiner Mitschüler sowie seine Katharsis wirkten sehr gestellt. Doch das sind Sachen, an denen die Serie arbeiten kann und die nicht das Potential von Touch in Frage stellen. Mir gefällts, und ich möchte an die Serie glauben.

Fazit: 7,0 von 10 Punkten.

„Der blaue Planet“ erzählt eine Bilderbuchgeschichte aus Verkettungen von Umständen, die Jake ins Rollen gebracht hat – visuell ansprechend, aber mit noch zu unglaubwürdigen oder platten Episodencharakteren ausgestattet. Aber vielleicht braucht das die Serie zu Beginn auch, um sich Reserven für später aufzubauen, bevor sie die Geschichte auf eine Tour de France schicken kann. Das Erzählen klappte jedenfalls, und das ist alles, was ich mir für die Serie wünsche – vorerst.

“Der blaue Planet” ist bis 2.4.2012 hier frei und legal verfügbar.

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3 Gedanken zu “Touch 1.02 „Der blaue Planet“: Muster.

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