South Park 16.02 „Cash for Gold“: Wer hat zuerst gerochen?

„Whoever made the rhyme… did the crime.“

Von South Park kennt man das ja – manche Episoden sind einfach großartig und wahre Diamanten, manche sind wirklich gut, die einen sind nichts besonderes, und die anderen sind einfach schrecklich – so ein großes Qualitätsspektrum gibts bei sonst kaum einer Show. Die Staffelpremiere war gelungen und durchgehend witzig – leider fällt „Cash for Gold“ da deutlich ab.

Quelle: serien-load.de

Butters ist Cartman gern behilflich, eine eigene Abzock-Fernsehsendung zu starten.

„Cash for Gold“ ist eine Satire auf die Homeshopping-Sender, die mit ihren überteuerten Juwelen das Geld seniler Pensionisten aus den Taschen ziehen. „J & G Shopping Network“ nennt sich die South Park-Variante dieser Sender, die in typischer 9live-Manier von einem charismatischen Schleimbolzen vertreten wird. Das neueste Opfer dieser Geldmacherei: Stans Großvater – der Katalysator für diese Folge.

Während Cartman versucht, den Erfolg dieser Shows nachzuahmen, indem er selbst Schmuck seiner Klassenkollegen abkauft und eine ähnliche Show ins Leben ruft, versuchen Stan, Kyle und Kenny den Verantwortlichen für die Misere zu finden. Das stellt sich als schwierig heraus – in einer herrlich musikalisch unterlegten Sequenz zeigen Matt Stone und Trey Parker, dass es ein Teufelskreis ist, aus dem das Aussteigen gar nicht möglich scheint: Die Shopping-Sender verkaufen die Produkte an Senioren, Senioren schenken den Schmuck ihren Verwandten, welche ihn gleich wieder beim Pfandhändler verhökern. Diese lassen Gold von Edelsteinen trennen und senden das Gold zum Einschmelzen. Gold und Edelsteine werden dann nach Indien verschifft oder verflogen, wo sie in Kinderarbeit wieder zusammengesteckt werden, um nach Amerika zurückgeflogen  und dort bei Shops verkauft zu werden. Oder um es in Stans Worten auszudrücken: „Whoever smelt it, denied and rhymed it actually dealt it.“

Durch die genannte Sequenz schafft es South Park gekonnt, die Botschaft auf den Punkt zu bringen – leider verliert die Episode bis zu dieser Pointe ordentlich an Fahrt. Die Optik des Homeshopping-Kanals stimmte, insbesondre die Close-ups und das ewige Gesülze des Sprechers vermittelten das Billig-TV-Feeling, aber mit der Zeit nutzte sich das ab. Vor allem Stans Wunsch, dass der Host sich doch selbst töten solle, war schon beim ersten mal nicht witzig, wurde dann aber noch in die Länge gezogen und schließlich in der Schlusspointe gleich mehrmals wiederholt. Da entwickelte die Serie Leerlauf, unter anderem weil auch keine besondere Botschaft dadurch abgesendet wurde.

Quelle: yababoon.com

Kinder in Indien müssen den Schmuck wieder zusammenkleben, der in Amerika getrennt wurde.

Cartmans Nebenplot war auch eher unspektakulär, da gabs keine wirklich  unvorhersehbaren Gags. Seine Bemerkungen, wie sehr die Großmutter ihn doch gefickt habe, irritierten mich (wohl zurecht) – ich komme damit zurecht, dass es abstoßend sein soll, trotzdem sehe ich nicht den Zweck seiner Worte. Und auch hier verweilte die Episode zu lange – schließlich besucht er später auch noch eine asiatische Verkäuferin und führt mit ihr mehr oder weniger den gleichen Dialog.

Der Episode fehlte es an Humor, obwohl die Folge schon in gewohnter South Park-Manier ein paar sehr treffende Szenen vorweisen kann – so ist es egal, wenn die Großmutter beim Einkaufen ihren Namen vergessen hat, solang sie sich noch an ihre Kreditkartennummer erinnern kann. Oder der Moderator, der selbst den Wert seines eigenen Lebens live im Fernsehen mit Stan verhandelt (2,7 Millionen Dollar) – und promt vom Interface-Editor als Preis eingegeben wird. Und vielleicht die treffendste Standpunkterörterung, als Stan sich beklagt, dass die armen indischen Kinder sich doch schämen wollten, dass sie Amerikaner abzocken.

Ein Bla, viele Blas:

– Das Ende fand ich eigentlich ziemlich schwach – die letzten paar Sekunden wartete ich nur noch sehnsüchtig, dass diese Episode doch jetzt endlich enden würde. Kein Merkmal einer fantastischen Folge.

– Cartmans Ring für knapp 80 Dollar war ja wirklich ein Schnäppchen – vorher hatte es doch schlappe 8.000.000.000 (8 Milliarden) Dollar gekostet. Man, wenn seine Mitschülerinnen bloß gewusst hätten, was sie da an ihren Fingern trugen.

– „Go ahead, say ‚e pay‘ 5.000 times and we saved you six hours.“ Da hab ich aber wieder ordentlich gespart.

– Das Bild mit dem Hund machte überhaupt keinen Sinn, wie sollten die indischen Kinder denn da rankommen? Wirklich enttäuschend, da das ein wichtiger Plotpunkt für die Episode war. Da fiel den Schreibern wohl einfach nichts mehr ein.

– Die Gesichter der beschenkten Verwandten in der Montage waren fabelhaft – fröhlich, als sie beschenkt werden, und miesmutig, wenn sie den Schmuck dann verscherbeln „müssen“.

Fazit: 6,0 von 10 Punkten.

„Cash for Gold“ ist eine moderat humorvolle Episode ohne Biss. South Park kann zwar mit einigen aufschlussreichen Aussagen punkten, doch der Spaßfaktor der Folge lag ziemlich niedrig, und das bei einer Episode, die (meines Wissens nach) keinen aktuellen sondern ’nur‘ einen random generelle Bezug hat. Von einer South Park-Episode erwarte ich mir mehr.

„Cash for Gold“ ist bis 28.3. und ab Sommer 2012 hier frei und legal verfügbar.

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8 Gedanken zu “South Park 16.02 „Cash for Gold“: Wer hat zuerst gerochen?

  1. Ich befürchte du hast „South Park“ bis heute nicht wirklich verstanden, anders kann ich mir diesen Text nicht erklären.

    • Ich kann jetzt nur vermuten, auf was genau du hier anspielst, Eric – darauf, dass ich die Pointe mit dem „please kill yourself“ nicht verstand? Ich weiß nicht, ich fand den Witz einfach lahm, kam nicht in die Gänge und nahm zu prominent Platz ein.

      Oder vielleicht meinst du das Bild vom Großvater mit dem Hund, das die indischen Kinder wie durch Zauberhand hatten – ich würde sagen, dass ich mich mit Randomness ziemlich gut auskenne, und das war.. weder originell noch witzig.

      Je mehr Distanz zur Episode ich krieg, umso mehr gefällt sie mir – über eine 7 würd ich aber nie hinausgehen bei Cash for Gold. Dafür war sie mir (bis auf die tolle Sequenz zu Schluss hin) zu unspektakulär. Aber ich lass gern mit mir reden. 🙂

  2. also ich finde das stans anruf bei dem sender gerade der höhepunkt der episode ist. natürlich klingt sein aufruf ziemlich brutal, aber er demaskiert die unethischen praktiken der show und die gewissenlosigkeit des moderators. und das die alten am ende stans ideen fortführen und vor allen dingen wie, finde ich urkomisch. mich würde mal interessieren, ob matt und trey von folgendem clip inspiriert wurden. http://www.youtube.com/watch?v=gDW_Hj2K0wo

    • Wow, richtig starker Clip – ich muss zugeben, dass mir Hicks vorher noch gar kein Begriff war. Gleichzeitig offenbart er mir aber auch, warum ich Stans Anruf nicht besonders ansprechend fand (zumindest glaube ich das, ist jetzt doch schon ein paar Monate her) – Hicks macht das verdammt gut, indem er das „they put a price tag on everything“ vielfältig ausnützt, und das ist echt clever. Und diese Cleverheit hat South Park hier meiner Meinung nach ein wenig gefehlt.

      Das Hicks-Video passt wirklich gut dazu. Du hast in dem Sinne recht, dass Stan sich (genau wie Bill) kein Blatt vor den Mund nimmt und direkt sagt, was er zu sagen hat.

  3. Pingback: South Park 16.13 “A Scause for Applause”: Stan Ground. | Blamayers TV Kritiken

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