Schnell Ermittelt 4.09 „Kurt Swoboda“: Schöne Bescherung.

„Nein, so schnell verliebt man sich nicht… fürs Leben.“

Kurt Swoboda, für Schäferstündchen mit einer Liebhaberin als Weihnachtsmann verkleidet, wird erschossen in seiner Bude aufgefunden, und die Verdächtigen stehen Schlange: Die betrogene Ehefrau, die Stieftochter, der geldstreitende Mieter, die Prostituierte und der lügende Putzmann. Und während sich Angelika und Franitschek ins Lügennest wagen, finden sie sich im Polizeipräsidium mit einer neuen Mitarbeiterin konfrontiert, dem vorübergehenden Ersatz für Maja: Sabrina Zwick. Und das lässt Schnell Ermittelt diesmal straucheln.

"Er is auf jeden Fall erschossen worden." Franitschek (Wolf Bachofner), Angelika (Ursula Strauss) und Stefan (Andreas Lust) untersuchen den kuriosen fetischlastigen Tatort.

Besonders gut funktionierten die enorm vielen Wendungen, die der Fall vorbrachte. Unsere Wahrnehmung wirklich aller Verdächtigen veränderte sich im Laufe der Episode. Das resultierte daraus, dass sie alle falsche Spiele miteinander spielten: Die Stieftochter Daniela ließ Swoboda heimlich beobachten, die Mutter Irene hatte ihm heimlich eine Prostituierte bezahlt, der Hausmeister Norbert hatte heimlich eine Affäre mit ebenjener Prostituierten, und der Mieter Marek war Zeuge des Besucherverkehrs zur Tatzeit.

Da hatte das Team jede Menge zu tun, und auch für den Zuseher blieb wenig Zeit zu verschnaufen. Beizeiten tat ich mich mit den Namen schwer, und auch die vielen Indizien waren mir nicht immer ganz klar. Ich schätze, dass das damit zusammenhängt, dass wir viele von ihnen nicht gezeigt bekamen, sondern nur von ihnen geredet wurde. Der genaue Tathergang und die Alibis aller Verdächtigen sind mir nach dem zweiten mal Schauen (in der ORF-TVthek) schon klar, doch fehlte es ein wenig an Visualisierung. Zum Glück gabs da die Szene, in der Marek mit den Fotos zeigte, wer aller zur fraglichen Zeit bei der Wohnung war und wer nicht. Toll geschrieben war der Fall aber allemal, die vielen einzelnen Zahnrädchen kurbelten fast alle fleißig mit.

Menschen:

Auf Maja und Kemal wurde in dieser Episode gänzlich verzichtet, und das merkte man ihr auch an. Franitschek und Angelika sind ein tolles Team, keine Frage, aber sie brauchen noch mehr Mitglieder – die beiden allein nützen sich auf Dauer gegenseitig ab. Für Maja sprang jedoch die Kollegin Sabrina Zwick ein – doch für Maja ist sie kein Ersatz.

Ich persönlich bin ja kein großer Maja-Fan – als Recherche-Mitglied hat sie oft nicht viel mehr zu tun als Angelika den einen oder anderen wichtigen Hinweis oder Spurensicherungsbericht zu geben. Was ich in „Kurt Swoboda“ aber gelernt habe: Katharina Straßer bringt als Maja auch Herz und Persönlichkeit mit, und das vermisste ich bei Zwick sehr. Diese wirkte fast wie eine Persiflage auf die Rolle der hilfsbereiten Mitarbeiterin und löste in mir nicht sonderlich viele positive Gefühle aus. So übermotiviert und lehrbuchhaft – nein, mit ihr konnte ich mich nicht anfreunden.

Auch ihr Zusammenspiel mit Franitschek wirkte so aufgesetzt auf mich. Dessen Liebesgeschichte vor zwei Monaten (in Wilma Wabe) hatte Charme und Chemie, die bei Franitschek und Zwick fehlen. Auch wurde das jetzt nicht besonders subtil angelegt, sondern ging so von Statten, dass ich mir durchaus vorstellen kann, dass sie in zukünftigen Folgen ab und zu wieder auftauchen könnte. Bitte nicht.

Na, zum Glück gabs auch andere Charaktermomente in dieser Episode… aber nicht allzuviele. Die Suche nach Lucy Haller geht derzeit wieder besonders schleppend voran, in dieser Folge so gut wie gar nicht. Ach! Nun schon zum zweiten Mal in Folge sahen wir Lucy auch nicht in Visionen – schade. Dafür bekamen wir mal wieder Jan und Kathrin in einer kleinen, aber feinen Nebengeschichte zu Gesicht.

Es ist schön, Stefan immer wieder heimlich bei Angelika schlafen wollen zu sehen – immer dann, wenn er „versehentlich“ bei ihr auf der Couch einschläft, angeblich wegen den Kindern. Zudem durfte er sich diesmal wieder einer kleinen Vaterherausforderung stellen: Er musste „das Gespräch“ mit Jan führen. Zuerst wollte er sich noch drücken, aber fröhlichstimmenderweise bewies er Angelika dann doch noch, dass er sehr wohl noch selber was zu Stande bringen kann.

Die wichtigsten Momente der Folge gehörten jedoch Angelika und Ulrich. Angelika fand endlich den Mut, ihn wegen seinem Heiratsantrag zu konfrontieren, und wieß ihn prompt zurück, ohne ihn jedoch verlassen zu wollen. Der Gedanke lässt sie allerdings nicht los – später bemerken wir, wie sie einen Plastikverschluss zu einem Ring formt und ihn sich kurz ansteckt. Ihre Szenen mit Ulrich waren schön – einzig die kurze Szene am See war ein wenig merkwürdig gestaltet, als Ulrich gerade weggezogen war. Ich wollte eine tiefe Betroffenheit fühlen, weil Larsen so plötzlich weg war, aber die Serie ließ sich da trotz der schönen Musik auf nichts Sentimentales ein – schnell kam der Schnitt, und schon war Ulrich wieder zurück. Da kratz ich mich am Kopf und frage mich: Warum dann überhaupt? Die Wiese war zumindest ein schöner Drehplatz, wenn auch nicht ganz so romantisch wie der See.

Schöne traurige Musik und Stimmung? Nur für zehn Sekunden, dann löst sich die Szene in Seifenblasen auf - und Ulrich verbleibt in Angelikas Leben. In Szenen wie diesen wünschte ich mir, Schnell Ermittelt sei gelegentlich geduldiger mit sich selber.

Die Frage bleibt allerdings noch: Kann Ulrich wirklich in Angelikas Leben passen, oder bleibt er nur ein Leckerbessen: zwar köstlich, aber nicht vitaminreich? Franitschek sagt zwar, dass es was Ernstes ist, und auch Angelika denkt oft an ihn, aber die Kinder hat er immer noch nicht kennen gelernt. Angelika meint dazu unbeschwert: „Ist doch auch so schön, nicht?“

Stil:

Die Weihnachtsmannverkleidung gab der Episode einen Identifikationswert, aber einen merkwürdigen – ich wurde damit einfach nicht warm. Ein bischen arg viele Wortspiele wurden einem in den ersten paar Minuten um die Ohren geworfen, ein paar clever, ein paar… weniger. Und ich konnte natürlich auch nicht widerstehen, siehe Titel. Schönes Highlight allerdings: die beinah surreal wirkende Autopsieassistentin mit Engelflügerln.

Ein Bla, viele Blas:

– 1kg Weintrauben. Äh… was hatte das für eine Relevanz? Ich verstehe immer noch nicht ganz.

– Mal wieder ganz starke Gastrollen, besonders gefiel mir Gregor Bloéb (Norbert Habertheuer). Der durfte auch in einem tollen, rauhen Dialekt sprechen. Da wird der WDR keine Freude damit haben.

– Den Handy-Subplot fand ich nun eher abgedroschen, gab mir nicht viel, sorgte dafür als Aufhänger für eine gute Geste der Frau Zwick… Hurra.

„Was machen wir jetzt?“ – „Müssma immer was machen?“

– Gründe, warum Verdächtige heute wieder Dinge verschwiegen/ falsch ausgesagt haben: Privatdetektiv angeheuert, Datenschutz, Prostituierte bestellt, wollte kein Ärger mit Polizei, Affäre mit Prostituierten gehabt, Zeuge sein vergessen, Mord.

Fazit: 6,0 von 10 Punkten.

„Kurt Swoboda“ war ein spannender Fall, krankte aber an den fehlenden Beamten Kemal und Maja und deren Ersatz Zwick, die keine rechte Chemie mit dem Team aufbauen konnte – so sehr sich die Folge auch bemühte. Im Privatleben der Ermittler tritt die Episode auf der Stelle – zum Glück hielten sie (und uns Zuseher) die Ermittlungen auf Trab.

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5 Gedanken zu “Schnell Ermittelt 4.09 „Kurt Swoboda“: Schöne Bescherung.

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