Schnell Ermittelt 4.08 „Werner Demscher“: Der Antrag.

„Ich freu mich für dich.“

Ein Priester wird erhängt aufgefunden, ein Schild mit den Worten „Ich bin ein Mörder“ um den Hals tragend. Doch was für einen Mord soll der scheinbar unbescholtene Werner Demscher begangen haben? Die Untersuchungen bringen das Schnell Ermittelt-Team auf die Spur einer Afrika-Mission der Kirche, bei der scheinbar nicht alles ganz mit rechten Dingen zugegangen ist…

Und Ulrich bittet Angelika ihn zu heiraten.

Quelle: tvspielfilm.de

„Ich bin ein Mörder“ – doch so sehr sich das Ermittlerteam auch anstrengt, sie können kein Verbrechen finden, das  Demscher begangen haben soll. (c) Pedro Dominegg

In diesem Fall gab es ja jede Menge brandheiße Spuren – die verschwundenen Spendengelder, das abgetriebene Kind, die Hobbies des Pfarrers, der merkwürdige Psychiater. Schön! Insbesondre ließ die Serie nie gleich durchblicken, welcher Pfad ins Leere enden würde und welcher nicht. Grad Inspektor Klischees (Franitscheks) übereilte Verdächtigungen der Umstände des Mordopfers (Bücher über Weltkriege? Fußball? Antidepressiva?) waren rote Heringe, aber gute – das wirkt natürlich und sorgte für spannende Recherchen.

Die Folge verbrachte viel Zeit mit diesen Spuren. Es gab allerdings keine unterschlagenen Spendengelder, keine Untreue mit der Schönhuber, und auch sonst muss Angelika feststellen: Demscher war ein „Engel auf Erden“. Zumindest in diesem Leben. Denn die Resolution des Falles liegt im Esoterischen, wenn es auch ziemlich abwegig ist: Der Psychiater Bruckner ist der Überzeugung, dass Werner Demscher eine Reinkarnation von Slava Schukchin war, der Mörder seiner Eltern. Der Psychiater sinniert darüber nur: „Sie haben Ihre Wahrheit, ich habe meine.“ Zur Überführung musste Angelika den beliebten Bluff-Trick greifen, wie auch schon in der vorherigen Folge. Diesmal funktionierte es allerdings, ihre drei gefälschten Beweise (Handschuhabdrücke, Stiftabdruck und Franitscheks Haar) reichten, um Bruckner zum Geständnis zu bewegen.

Die Gastdarsteller machen ihre Sache immer gut bei Schnell Ermittelt, und auch in „Werner Demscher“ enttäuschten sie nicht. Lukas Resetarits spielte den trauernden Vater Gustav Demscher überzeugend, und auch Karin Lischka gefiel mir als Michaela Schönhuber sehr gut. Ich kenn ja ein paar Kindergärtnerinnen, und ich hab sofort das Gefühl gehabt, die könnten beste Freunde sein. Der bislang wohl bekannteste Gastschauspieler der Staffel war aber Harald Krassnitzer als merkwürdiger Psychiater Bruckner, durch die hässliche (sorry!) Brille kaum wiederzuerkennen.

Menschen:

Die Charakterisierung von Dr. Ulrich Larsen finde ich ausgezeichnet, der Physikprofessor hat Konturen und Charme. „Willst du mich heiraten?“, schrieb Ulrich als Formel verkleidet auf das Fenster eines Restaurants. Besonders Mišel Matičevićs Gestik (sein spitzbübisches Lächeln!) hat mich endgültig von seinem Charakter überzeugt, und auch Angelika war angetan – doch wie so oft unterbricht der Polizeisirenenklingelton das Privatleben der Chefinspektorin.

Die Geste war süß und toll inszeniert (genauso wie Ulrichs selbst gezeichneter bewegter Comicstrip), und wie für Schnell Ermittelt üblich geschah es rasch und wurde mehr mit Gesten als mit Worten beantwortet. Das Stilmittel wird konsequent eingesetzt, gelegentlich wünsch ich mir aber, dass auf solch eine Szene intensiver eingegangen wird, in dem Moment, in dem es passiert. Die Szene ist intensiv, aber so kurz, dass man sich gar nicht recht in ihr suhlen kann. Und ich wünsche es mir, mich darin zu suhlen!

„Willst du mich heiraten?“ Angelika (Ursula Strauss) weiß nicht sofort, wie sie Ulrichs (Mišel Matičević) Gleichung lösen kann. Da kommt ihr das läutende Handy nur recht.

Zudem kommt der Antrag schon ziemlich früh in der Beziehung der beiden. Angelika erwähnt, dass sie erst vor ein paar Monaten angeschossen wurde, Ulrich kann sie also erst seit vielleicht zwei, drei Monaten kennen. Grade in Anbetracht dessen, dass Matičević erst seit einer halben Staffel dabei ist, halte ich es für unwahrscheinlich, dass Angelika annimmt. Und falls sie es doch tut, wird sie es wohl wie Lorelai Gilmore machen – kurz vor der Hochzeit kalte Füße bekommen und die Hochzeit abblasen. Ich basiere diese Vermutung nicht auf die Chemie der beiden Charaktere oder Schauspieler – denn die stimmt – sondern schlichtweg auf die Serienstruktur. Es ist noch unklar, ob es eine fünfte Staffel geben wird, zwei 90-minütige Filme sind allerdings schon in Auftrag gegeben worden. Deshalb denke ich, dass die Drehbuchautoren eher versuchen werden, die Ulrich/Stefan -Rivalität bis zum Ende der Staffel auflösen wird (wahrscheinlich zu Gunsten von Stefan), da sich diese in eigenständigen Folgen schwieriger mit der Kontinuität tun wird.

Stichwort Stefan: Diesem vertraute Angelika heute erstmals an, dass sie einen anderen Mann kennen gelernt hat, der witzig und charmant ist und Angelika „auf Händen trägt“. Andreas reagiert genau so, wie Angelika es anders rum auch tun würde – er verzweifelt innerlich, aber erwidert schlichtweg ein uninspiriertes: „Ich freu mich für dich.“ Für Stefan klappt derzeit ja leider gar nichts – Susanne hat ihn verlassen, seine Kommunikationsversuche mit den Kindern stoßen nur auf Sarkasmus und Gleichgültigkeit, und Angelika will ihn nicht wieder.

Oder? Angelikas Gefühle für Stefan sind mir derzeit wieder unklar. In „Francois Legrand“ ließ sie durchblicken, dass ihr es nicht unrecht kam, dass Susanne mit ihm Schluss gemacht hat – schließlich bestellte sie neue Getränke nach Susannes Abrauschen ohne Zögern. Sie macht allerdings keinerlei Anstalten, mit Ulrich Schluss zu machen. Andererseits zögert sie ihre Antwort auf Ulrichs Antrag bewusst hinaus und versucht sich mit der Arbeit abzulenken – die unmittelbare Antwort auf den Antrag wird vom Telefon vereitelt, ihre erste Nachricht („?….“) gab sie zu Gunsten von Nachforschungen in Werners Tagebuch auf, und auch den Anruf an Ulrich bricht sie nach dem ersten Läuten ab. Ewig wird sie die Entscheidung nicht hinauszögern können, und ein „Nein“ wird Ulrich bestimmt nicht sehr schmecken.

Auch Lucy Haller wurde erwähnt, aber erstmals nicht gezeigt. In einem ungewöhnlich ruhigen Moment nahm sich die Serie Zeit, Angelika beim Anmalen von Lucys Profilbild zu studieren – eine schöne Szene. Von Angelikas flirtwilligem Ex-Anästhesisten erfuhren wir, was das Mädchen mit der rosa Schleife auf der Intensivstationen zu suchen hatte – sie ist angeblich die Tochter eines Mannes, der zur gleichen Zeit wie Angelika mit einer Stichverletzung eingeliefert worden war. Sie gab sich also wahrscheinlich selbst als Tochter eines verletzten Mannes aus, der wahrscheinlich nicht ihr Vater war. Vielleicht ihr Entführer, zu dem sich ein Stockholmsyndrom entwickelt hat? Mehr zu dieser Theorie und anderen über Lucy Haller gibts hier.

Endlich gabs aber auch für Maja wieder mal was zu tun – ihre Rolle finde ich ja sonst ein wenig vernachlässigt. Sie hat eine Persönlichkeit, ja, aber bis auf  beim Mitteilen von Rechercheergebnissen sieht man sie nur selten, und das ist eher fad. Ihre Blutungen waren nur zwar harmlos, aber dafür sah man sie auch wieder mal außerhalb des Polizeipräsidiums oder Fritz‘ Nudelstand.

Random Observationen:

– Wie schwer muss es für eine Filmcrew sein, Kinder natürlich spielend im Hintergrund zu haben? Die Kindergarten- oder Volksschulszene war voller Leben.

– Die Serie kann auch über sich selbst lächeln: Als Angelikas Ex-Anästhesist Angelika anspricht, versucht er es mit dem simpelsten aller Wortspiele: „Was führt Sie denn so schnell wieder zu uns?“ Angelika lächelt so, als hätte sie das schon tausend mal gehört. Hat sie wohl auch.

– Scheinbar wohnen fast alle Verdächtigen in äußerst besonderen, oft teuren Wohnungen. Das ist schön anzusehen (in Romans und Michaelas Bude würd ich auch gern leben), aber nicht immer realistisch. Der Architekt ist zu jung, um schon so reich zu sein.

„Na klar, ich spende schon seit Längerem für die Kinder.“ – „Also wenn du unsere Kinder meinst, das sind keine Spenden sondern Allimente“. Ich bewundere diese One-Liner schon. Sie sind herzlich lustig und nicht abgedroschen, und das ist schwierig zu erdenken.

– Angelikas grünes Kleid steht ihr einfach prima. Huuh, hat Ursula Strauss lange Beine, ich hab mich schon gefragt, wann denn endlich das Kleid anfängt.

– „Weitermachen. … Also, mitm Arbeiten.“ Franis tadelnder Finger sagt eigentlich alles. Sehr humorvoll von Bachofner gespielt. Hut ab!

– Die Quoten stimmen immer noch fröhlich – ganze 814.000 Menschen sahen im Durchschnitt die Premiere. Das entspricht immerhin 28% aller zu dieser Zeit fernsehenden Menschen.

Quelle: mediaresearch.at– Gründe, warum Verdächtige heute wieder Dinge verschwiegen/ falsch ausgesagt haben: Abtreibung verheimlichen, Kenntniss vom Namen Schukchin verschwiegen, Mord verschwiegen.

Fazit: 8,0 von 10 Punkten.

Ein spannender, wenn auch in seiner Auflösung leicht abwegiger Fall, in dem erstmals seit Längerem nicht alle Charaktere kriminell sind, sondern nur einer – umso realistischer ist die Indizienjagd. So einzigartig die gehuschte Drehweise der Serie auch ist – manchmal wäre die Serie besser damit bedient, ihre großen Szenen (den Heiratsantrag) auszukosten, anstatt sie mit raschen Cliffhängern enden zu lassen. Die Konsequenzen solch wichtiger Szenen werden trotzdem während der Folge immer wieder gut aufgegriffen.

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4 Gedanken zu “Schnell Ermittelt 4.08 „Werner Demscher“: Der Antrag.

  1. Franitscheks Verhalten rund um Majas Beschwerden war auffällig – wie wenn er möglicherweise der Vater sein könnte (auch über das Thema Abtreibung dürfte er gut informiert sein)?

    • Hmmm, ich glaube, mich erinnern zu können, dass Angelika Maja in der zweiten oder dritten Folge der Staffel gefragt hat, ob Kemal auch der Vater sei – aber leider weiß ich nicht mehr, was Maja geantwortet hat. 🙂

      Um ehrlich zu sein kann ich mir auch Frani gar nicht mit Maja zusammen vorstellen, da hätts vorher auch wenig Anzeichen gegeben – das käm jetzt schon sehr überraschend. Ich hab sein Verhalten in „Werner Demscher“ so interpretiert, dass er das mit der Abtreibung wegen des Falles gesagt hatte und sich dann schuldig fühlte, weil er nicht so rüberkommen wollte, als wünsche er sich, Maja würde ihr Kind abtreiben.
      Wegen dem gut informiert sein, Frani erwähnte, dass man derzeit im Büro ja öfters was über Schwangerschwaft zu hören bekommt – z.B. wohl in den Mittagspausen.

      Interessante Theorie allerdings!
      lg Blamayer

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