Schnell Ermittelt 4.06 „Konrad Mautsch“: Zitroneneis.

„Des is ja lieb, Stefan, aber im Moment helfen die Tabletten mehr als du.“

Ich entschuldige mich für die Verspätung, aber hier kommt sie doch noch, mein Recap für die Valentinstagsfolge von Schnell Ermittelt: Angelika und Co. untersuchen den Mord an Konrad Mautsch, einem (womöglich nicht ganz so kindertauglichen) Clown, der ertrunken in der Donau aufgefunden wird. Seine Stiefkinder werden zu Waisen, und Angelika nimmt sie vorübergehend zu sich nach Hause auf. Das und viel mehr bieten reichlich Zündstoff in der bislang vielleicht besten Folge der vierten Staffel.

Quelle: oe24.at

Familie Schnell wird vorübergehend um die zwei Waisen Lena (Nathalie Köbli) und Lisi (Anna Yntema) erweitert. Auffallend ist Katrins blaue Bluse, weiß punktiert, mit rosa Taille – das selbe Farmschema wie das Mädchen, das Angelika immer wieder sieht. (c) Pedro Dominegg

In jeder Folge von Schnell Ermittelt sehen wir uns mit Menschen aus einem anderen Millieu konfrontiert, und heute war es das Clownsgeschäft. Das Set war toll und geschickt von der Kamera eingefangen, obwohl es sicher mit so vielen Extras schwierig zu filmen war. Ich wünschte, man hätte visuell noch ein bischen mehr aus dem Thema „Clowns“ herausgekitzelt (z.B. grotesker mit dem Thema Tod verbunden), fand die Atmosphäre an den Schauplätzen sonst aber auch wieder ausgesprochen gut – sofort fällt mir das Clownsportrait mit Messer im Kopf ein.

Schnell finden sich Verdächtige, das Motiv bleibt aber bis weit über die Halbzeit unklar: Das Mordopfer hatte pädophile Neigungen, und das nicht nur gegen die drei Damen vom Zirkus, sondern sogar auch gegenüber seinen zwei Stieftöchtern. Alle fünf von ihnen waren toll gecastet – insbesondre die unterschiedlichen Gesichter von Tina Robner (der coolen Managerin), Angelika Kampa (der ängstlichen Eisverkäuferin) und Karin Schwarz (der toughen Karateexpertin) fand ich faszinierend ersonnen. Besonders als sie zu dritt auf dem Revier saßen sahen sie wirklich aus wie drei alte Freundinnen, so verschieden und doch durch etwas vereint.

Und auch die zwei Stieftöchter fügten sich nahtlos in die Folge ein. Die Kinder bei Angelika unterzubringen war ein toller Schachzug der Drehbuchautoren. Es gibt uns Gelegenheit, endlich mal wieder mehr Zeit mit Angelikas Familie zu verbringen, ohne dafür Zeit für den Fall zu opfern, und ich finde Jan und Katrin einfach sympathisch. Und auch die Chemie zwischen den beiden Waisen und der Familie Schnell stimmt einfach – kurz überlegte ich mir, ob es wohl möglich sei, die beiden permanent zu integrieren, bis ich mir die Episode von der Vorwoche in Erinnerung rief.

Der heutige, oder besser gesagt dieswöchige Fall bewieß erstaunlich viel Flow. und glitt geschmeidig dahin, und wie von Schnell Ermittelt gewohnt baute er sich wie ein Bausteinhäuschen auf – Säule für Säule auf dem Weg zum Täter, mit einigen Schnörkeln (dem Privatleben der Ermittler) verziert, die nicht zur Stabilität des Turms (des Falls) beisteuern, aber die uns Zuseher den Turm lieber ansehen lassen.

Doch etwas anderes lässt mich die Episode noch mehr schätzen – sie war so unglaublich belohnend für Zuseher, die genau hinsehen und sich dann noch länger darüber Gedanken machen. Dafür habt ihr ja mich! 🙂 Aber allein die Tatsache, dass Sie das gerade lesen, zeigt mir, dass Sie auch so ein Zuseher sind. Weiter so!

Zum Beispiel das Ende des Falles. Wir finden heraus, dass Lena ihren Stiefvater ermordet hat und Angelika sie laufen ließ. Die Frage, ob das gerecht ist, überlasse ich Menschen mit besseren Moralkompässen als mir, aber diskussionswürdig ist es allemal. Und hat Frani einen Verdacht? Seine Fragerei in der letzten Szene mit äußerst ernster, ja fast anklagender Miene war schon sehr auffällig, aber weiter verfolgte er es dann nicht. Und diese subtilen Anspielungen und halboffenen Handlungsstränge gefallen mir schlichtweg ausgezeichnet in dieser Folge.

Menschen:

Wir haben es wieder mit dem Mädchen mit dem rosa Haarband zu tun, und nun haben wir auch schließlich einen Namen für ihr Gesicht: Lucy Haller. Lucy Haller ist vor zehn Jahren verschwunden, und ist mit aller Wahrscheinlichkeit deshalb tot. Oder das Ermittlerteam wird sich mit einem Kampusch-esquen Fall konfrontiert sehen, was durchaus staffelfinalwürdig wäre, aber nur eine Theorie ist. Jedenfalls hat Lucy Haller eine Schwester, die kürzlich ebenfalls verschwunden ist. Zufall ist das bestimmt keiner! Ein Serientäter, den Angelika Schnell in den restlichen Fällen jagen wird? Zudem gibt es wieder einen subtilen Zusammenhang zwischen Lucy und Katrin – diese trägt nämlich in der Riesenradszene eine sehr ähnliche Bluse wie Lucy…!

Im Privatleben von Angelika gibt es natürlich wieder Ulrich, der „fesche Piefke im Anzug“, der sich diesmal Gedanken um die Zukunft macht: „Es geht darum, ob ich weiterfahre“, begründet er seine Fragestellung. Meint er damit, dass er vielleicht wo anders hinfahren würde mit seinem mobilen Zuhause, wenn es Angelika nicht allzu ernst mit ihm nimmt? Auch das lässt Angelika offen und verschiebt ein ernstes Gespräch darüber lieber auf eine andere Folge.

Quelle: oe24.at

Das interessante Set des Kinderzirkuses saugt einen direkt in den Fall hinein. Besonders fasziniert haben mich die ersten fünf Sekunden der Folge, die allein Stunden gekostet haben müssen. (c) Pedro Dominegg

Stefan scheint indes mittlerweile besser über den Tod seiner Mutter hinweggekommen zu sein – jedenfalls sind seine Augen nicht mehr ganz so gerötet. Wurde auch langsam Zeit! Dafür entdeckt er Benzodiazepin in Angelikas Abfalleimer. Ich musste selbst erst nachforschen, was das ist: Es handelt sich um ein (scheinbar recht intensives) Beruhigungsmittel, das ihn sich um Angelika Sorgen machen lässt. Die Psychologen-Storyline von der zweiten Folge war in den letzten Wochen nie mehr recht erwähnt worden – schade eigentlich, nie eine Szene von einer Sitzung zu sehen, aber ist sicherlich zeitlich schwierig unterzubringen.

„Wohnt der Stefan noch bei dir?“, fragt Maja da Angelika, und diese antwortet frech: „Aus seiner Sicht: ja.“ Stefan und Angelika streiten wegen der Tabletten, und Stefan muss endgültig bei Angelika wieder ausziehen. Wir wissen ja, dass Stefan eigentlich gar nicht so recht zu seiner Susi zurückziehen möchte, aber diesmal sehen wir auch Angelikas leicht unglücklichen Blick, als er seine sieben Sachen packt. Grad durch die vielen Familienszenen dieser Episode sehen wir ja, dass das Zusammenleben Angelika ja insgeheim gefällt…

Und wilde Spekulation: Ist Angelika schwanger? Mehrmals gab es ungewöhnliche Szenen in der Folge, in denen Angelika beispielsweise den Kaffee umstößt oder einfach bloß ihre Schuhe auszieht, unterlegt von (stets denselben) unheimlichen Tönen. Oder sind das die Nebenwirkungen ihrer Beruhigungstabletten? Falls ja: Ist mit dieser Episode und ihrer Versöhnung im Riesenrad damit diese Storyline beendet?

Random Observationen:

– Am Tatort wurde ironischerweise Massive Attacks „Paradise Circus“ gespielt. Klasse!

– Auf die Schnitte wurde heute ja besonders Acht gegeben: einmal von Angelikas Schuh zum Fuß des Mordopfers, und direkt darauf der Schnitt von der Obduktion zu Majas Bauch bei ihrem „Geburtstest“.

Innschpruck. Die Sprache der Innsbruckerin war ein komischer Mix aus Hochsprache und dickem Tiroler Dialekt. Fand ich jetzt nicht so gelungen, aber ich lebe ja auch dort und merke so etwas eher.

– Kathi Bellowitz gefiel mir gut. Aber wusstet ihr, dass ihr Sendungspartner Elmar Rossnegger auch mitspielte? Ich hätte ihn gar nicht erkannt, hätte ich nicht die Besetzungsliste gelesen: Er war das Mordopfer!

– Als Lucy Haller das Glas vollgoss und trotzdem nicht stoppte, erwartete ich mir eine wirklich intensive Szene, aber visuell wusste der Effekt nicht so recht zu überzeugen. Es hätte Wein sein sollen, nicht Fruchtsaft, und irgendwie sah es einfach nicht so beeindruckend aus wie die Szene gern gewesen wäre.

– Gründe, warum Verdächtige heute wieder Dinge verschwiegen/ falsch ausgesagt haben: gemeinsame Vergangenheit, schwere Körperverletzung, Missbrauch, ev. sonstige Misshandlungen

tl;dr:

„Konrad Mautsch“ ist die bislang rundeste und ausbalancierteste Episode der vierten Schnell Ermittelt– Staffel in Sachen Fall/Charaktere. Sie gefiel nicht nur wegen einem soliden Fall und einem kontroverses Ende, sondern lieferte auch die ersten konkreten Hinweis über die Identität des Mädchens mit der rosa Schelife. Daher vergebe ich

8,5/10 Sterne

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5 Gedanken zu “Schnell Ermittelt 4.06 „Konrad Mautsch“: Zitroneneis.

  1. Sehr geehrter Herr Blamayer !

    Ich schaetze sehr Ihre Kritiken zu „Schnell ermittelt“ und lese sie immer gerne mit grossem Interesse. Ich moechte sie nur auf einen kleinen Fehler im Email-Newsletter bei der Linkadresse zu Ihrem Blog hinweisen .
    Wenn man den Link anklickt oeffnet sich folgende URL:
    blamayertv..wordpress.com/2012/02/17/schnell-ermittelt-4-06-konrad-mautsch-zitroneneis/

    Das stehen nach blamayertv immer 2 Punkte statt einem ….

    mfg

    guenther h.

    • Lieber Guenther,

      Es freut mich, dass du (ich darf doch dutzen?) Gefallen an meinen Kritiken findest – ich danke für die Rückmeldung!
      Ich habe jetzt gut eine Stunde lang gesucht, aber hab den Fehler leider nicht finden, geschweige denn ausbessern können. Bin auch mit WordPress noch nicht so vertraut…

      Ich hoffe, diese URL-Ungereimtheit wird dich nicht daran hindern, auch nächste Woche wieder vorbeizuschneien.

      Mit freundlichen Grüßen,
      Blamayer

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