Schnell Ermittelt 4.05 „Wilma Wabe“: Denk an dich.

                  „So leicht hab ich mich nicht mehr gefühlt seit ich… ich weiß eigentlich gar nicht seit wann.“

In der letzten Folge war es ein Hund, heute eine Schildkröte: Die Haustiere der Mordopfer scheinen stets Unheilvolles zu verheißen. Drei Schildkröten, drei Mordopfer, ein gestohlenes Bild, viel Humor und jede Menge Franitschek sind die Hauptzutaten für die fünfte Folge der vierten Staffel von Schnell Ermittelt.

Quelle: tele.at

Angelika Schnell (Ursula Strauss) und Franitschek (Wolf Bachofner) gastieren unfreiwillig in der Pension von Grete Netuschill (Bibiane Zeller). Man beachte die Schuhe. (c) Pedro Dominegg

Der Fall: Das Ermittlerteam rund um Angelika Schnell sieht sich einer Mordserie konfrontiert. Der Zusammenhang scheint klar: Die drei Mordopfer – Putzfrau Wilma Wabe, Museumsdirektor Herr Netuschil und der Künstler Stern – haben allesamt im Museum gearbeitet, in dem vor einigen Jahren ein wertvolles Gemälde entwendet wurde.

Die Episode war humorzentriert – insbesondre durch Wolf Bachofners Darstellung von Franitscheks Gefühlen für Marlene. Ich weiß, dass Bachofner ein toller Schauspieler ist, und insbesondre im Zusammenspiel mit Angelika (Ursula Strauss) ist er einfach fantastisch – aber heute wars mir zu viel. Ich hätt mir gewünscht, seine Gefühle für Marlene wären ein wenig subtiler gewesen. Einmal stottern ist schön, drei mal aber einfach ein wenig übertrieben. Ich empfand mich ein wenig zu überbeansprucht mit Franitscheks Verliebtsein.

Auch abseits von Franitschek gab es viel zu Schmunzeln und manchmal auch herzhaft lachen. Die begriffsstutzige Nachbarin, die unwirsche Putzfrau, Franitscheks wütender Abgang mitten ins Nirgendwo, Angelikas Wanderschuhe, die wunderbare Hotelzimmerszene (mit großartiger Musik untermalt!) und viele mehr trugen allesamt zum Gesamtbild der Episode bei. Zudem gab es wieder wirklich exzellente Oneliner, zu viele, um sie alle aufzulisten.

Der Fall selbst krankte aber an zu wenig Verdächtigen – das passiert meistens, wenn man den Großteil der Nebencharaktere umbringt. So verblieben am Ende eigentlich nur noch vier Möglichkeiten, von denen man jedoch auch drei kategorisch eliminieren hätte können: Die Putzfraukollegin, Frau Netuschil (die Hotelbesitzerin), Professor Klausner und Marlene Schwegler. Erstere aber hatte nichts mit den Schildkröten oder dem Gemäde zu tun, Frau Nettoschil ist schlichtweg körperlich nicht imstande, zum Tatort des Mordes ihres eigenen Sohnes zu gelangen, und Professor Klausner hätte seinen Tod schon vortäuschen müssen, und die Folge gab dieser Möglichkeit gar nicht Gelegenheit, in Betracht gezogen zu werden. Nun, wenigstens hat man so mitraten können – doch eine der wenigen Folgen, in der ich schon vorher den Täter wusste.

Auch sonst fand ich das Drehbuch ein wenig schwächer als die bisherigen der vierten Staffel. Es gab schon ein wenig arg viele Zufälle heute – beispielsweise, dass ausgerechnet Marlene die Angestellte im Schildkrötenland war. Klar, die vier Diebe haben natürlich deshalb die Schildkröten gewählt, weil sich der Professor damit gut auskannte – aber das alles ist doch erstens ziemlich umständlich und führt zweitens die Ermittler unnötig auf eine heiße Spur – ich mein, wie viele Schildkrötenshops wirds in Wien schon geben? (Ja, ich komme nicht aus Wien – keine Ahnung! Aber meist gibts einfach nur allgemeine Tierhandlungen).

Und insgesamt war der Fall eigentlich ziemlich simpel. Angelika und Franitschek mussten eigentlich gar nicht viel kombinieren, vielmehr bewegten sie sich von Tatort zu Tatort. Die Aufklärung des Diebstahls des Bildes war nun wirklich naheliegend und einen Tick unglaubwürdig, hat die Polizei denn den Diebstahl gar nicht untersucht? Da hilft auch Angelikas Vergleich mit dem Diebstahl der Saliera nichts, denn bei diesem wurde wenigstens noch nachgeforscht. Den Ermittlern wurde der Fall fast schon auf dem Präsentierteller präsentiert. Andererseits fühlte er sich nicht so an, als hätte er aufgrund der 50 Minuten Laufzeit komprimiert werden müssen.

Aber genug der Kritik, es soll auch Lob geben: Von den Socken haben mich die Drehorte der Folge geholt. Das Hotel, in dem Franitschek und Angelika genächtigt haben, und seine Umgebung waren wirklich malerisch. Schön war es auch, die beiden beim Wandern zuzusehen. Doch wirklich atemberaubend war das Setdesign des Schildkrötenlands, insbesondre die Beleuchtung bei der nächtlichen Überführung von Marlene. Gemeinsam mit der Musik und den bewegenden Darstellungen von Franitschek und Marlene hat es mich wirklich ergriffen. Diese kraftvolle Szene war wahrlich wunderschön inszeniert und sicher der Höhepunkt der Folge. Allein wie Marlene noch Franitscheks Hand ergreift… (Da verzeih ich auch das zwar sehr atmosphärische, aber nicht sinnvolle Blaulicht von draußen. Wollte Angelika die Täterin denn verschrecken?)

Quelle: tele.at

Der tief verletzte Franitschek (Wolf Bachofner) konfrontiert Marlene (Bettina Redlich). (c) Pedro Dominegg

Die Balance zwischen Fall und persönlichem Leben der Hauptcharaktere stimmte – man hat das Gefühl, das keins aufgrund des anderen leiden musste. Also natürlich mit Ausnahme von Franitscheks Beziehung mit Marlene, die aus beruflichen Gründen scheiterte. Die Chemie der beiden stimmte ja, und Marlene schloss ich gleich in mein Herz – ich hätte mir gut vorstellen können, sie öfters als Nebencharakter (so wie Fritz) sehen zu können, so „richtig“ fühlte sie sich für den Franitschek und die Serie an.Ich war fast so zerknirscht wie der Franitschek, dass aus ihrer Beziehung nichts geworden ist. Vielleicht besucht er sie ja im Gefängnis…? Seufz.

Während der Franitschek heute aber ganz betont lieb war, findet die Frau Chefinspektorin leider langsam wieder zu ihren alten Gewohnheiten zurück. In dieser Episode war sie wieder besonders fies – insbesondre, wie sie sich über Franitscheks Gefühle lustig gemacht hat. Da hatte der Franitschek allen Grund zum Explodieren! Und auch ihre Entschuldigungsverusche waren wenig glaubwürdig. Wird Angelika rückfällig?

Angelikas Liebhaber Ulrich Larsen kam nur kurz im Teaser vor, um uns zu versichern, dass Angelika nicht auf ihn vergessen hat. Das tolle Set wurde da wieder schön in Szene gesetzt er ist durch und durch Bachelor und Romantiker. Kerzen, Sternenhimmel, Kuschelcouch, … Und Angelika ist wirklich glücklich mit ihm, unbeschwert, kann sich gar nicht mehr erinnern, wann das vorher so war. Aber im Dunkeln sieht er nach wie vor aus wie Feiler, ich schwörs…

Wir erfahren, dass Angelika immer noch schlecht schläft, vielleicht sogar jede Nacht, auch wenn das Mädchen mit der rosa Schleife sie nicht mehr attackiert. Zuletzt sprach sie darüber in Episode 4.02, Franitschek vertraute sie sich aber dann doch nicht ganz an. Das Mädchen ist immer noch ein Mysterium, diesmal jedoch mit einer Premiere: Erstmals spricht sie mit Angelika. Der Satz ist ein Wink mit dem Zaunpfahl über den Verlauf der Staffel: „Simma bald da?“ Ich würde gern ihre Stimme mit der der Karin vergleichen können, aber diese kam leider in dieser Episode nicht vor. Ansonsten gab es dieses Mal leider keine weiteren Hinweise auf eine Verbindung der beiden.

Und die Storyline rund um Majas Verheimlichung der Schwangerschaft fand endlich ein (sehr voraussehbares) Ende. Sie will ihr Kind kriegen und Kemal freut sich aufs Vaterwerden wie ein Schitzel. Die Storyline gibt Maja und Kemal was zu tun, aber im Gegensatz zu den anderen fehlt mir da ein wenig die Tiefe – vielleicht wegen der mangelnden Interaktion auf zwischenmenschlicher Ebene zwischen den beiden und den anderen Charakteren. Eine Freundschaft zwischen Kemal und Stefan täte der Serie beispielsweise gut, vielleicht auch noch mitm Frani, da sie so beiden Charakteren mehr Entfaltungsmöglichkeit bieten würde.

Random Observationen:

– Ich bin ein Fan von Randomness (siehe auch diese Rubrik der Artikel), und deshalb hatte ich mich auch gleich in den Stern verliebt, den sich der Künstler Stern auf sein Auto geklebt hatte. Und dann wars auch noch so ein hübsches Modell! Franitscheks selbstverliebter Lacher rundete die Szene noch ab.

– „Und, wird bei euch nie gstritten?“ Franitschek wirft einen Seitenblick auf Angelika.

„… es gibt manche exotische Arten, die sehr begehrt sind.“ Franitschek und Marlene sehen sich verträumt in die Augen.

– Franitschek hat ja wirklich ein Uraltmodell von einem Handy. Von ihm werden wir wohl nie ein „Geh, schick mirs bitte aufs Handy, ok?“ zu hören bekommen.

– Das Hochzeitsfoto von Stefan und Angelika war einfach der Oberhammer. Stefan mit Schnauzer? Ja bitte! Angelika mit langen Haaren? Nein danke…

– Muss sicher schwierig gewesen sein fürs Team, das Auto auf diesem Bergweg so hinzustellen, dass mehrere Reifen in der Luft hingen.

– „Ich wusste gar nicht, dass man heutzutage Frauen noch Blumen schenkt.“ Hahaha, Angelika, du tust uns unrecht – denn grad du hast doch den Romantiker #1 als Boyfriend.

– Gründe, warum Verdächtige heute wieder Dinge verschwiegen/ falsch ausgesagt haben: Diebstahl, Mord. Heute gabs gar keine haltlosen Akkusationen (außer gegen Franitschek), weil ja die meisten Verdächtigen nur tot aufgefunden wurden.

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