Schnell Ermittelt 4.04 „Jonas Wultz“: Hochspannung.

„Na? Na willst ihr nicht nachlaufen?“

Jonas Wultz (Peter Rapp), ein unscheinbarer Pensionist, wird vom Donner gerührt und fällt tot um. Ein Unfall? Nicht ganz. Er hinterlässt einen Hund und jede Menge Fragen: Wer sind die fünf Männer, die er laut Testament zu seinem Begräbnis lädt? Warum sind sie so schwierig aufzufinden? Und wer erbt seinen Nachlass?

Quelle: tele.at

Stefan (Andreas Lust) und Angelika (Ursula Strauss) rätseln um den Tod von Jonas Wultz (Peter Rapp). (c) Pedro Dominegg

Nach einer Woche Pause ist Schnell Ermittelt endlich wieder im ORF zu sehen – und ich muss sagen, dass ich die Serie vermisst hatte. Obwohl es sich um eine „Fall der Woche“-Art von Serie handelt, ist sie doch verdammt suchterregend.

Der Fall war heute verzahnt wie eh und je. Zu Beginn war alles unklar – es gab weder ein erkennbares Motiv noch ein Umfeld, in dem die Ermittler hätten ermitteln können. Es war ein einziges Puzzle, und Schritt für Schritt erhielten wir mehr Einzelteilchen – den geheimen Beruf des Opfers, die Kollegen Hofer und Lippitsch, und schließlich die Spur zu Klara Fuchs, mit deren Entführung die Verdächtigen offensichtlich etwas zu tun hatten.

Großartig fand ich dabei die Fütterung der Informationen an den Zuseher. Es gab keinerlei Stagnation im Fall, die Ermittelungen liefen nicht immer bloß weiter, sie erbrachten laufend Ergebnisse – kaum tote Enden, das motiviert nicht nur das Polizeiteam. Vor allem aber gewährte die Episode den Zusehern ständig die Möglichkeit, mitzurätseln und dem Ermittlerteam ein, zwei Nasen voraus zu sein: Die Todesfalle überließ man zuerst der Fantasie der Zuseher, und man hätte vermuten können, dass das Telefon verwanzt sei, wenn man nur gewieft genug war. Und um auf die eigentliche Absicht des Täters drauf zu kommen, die ganze Geheimagententruppe beim Begräbnis zusammenkommen zu lassen, hatte man auch eigentlich mehr als eine halbe Stunde Zeit. Es fühlt sich toll an, mitzufiebern und mitzuraten. Zu oft erhält man in Krimiserien die Fakten und gleich im Anschluss alle Schlüsse, die man daraus ziehen kann – und in dieser Folge wurde das besonders geschickt umgangen.

Mich bewegt der Mut der Serie, in der Primetime des ORF bei einem so großen Publikum die Leichen so zu zeigen. Man musste jetzt schließlich nicht besonders gut hinschauen (so wie beim letzten Fall auf den Fotos), um zu sehen, dass sie nackt waren. Also, komplett nackt, und mehr noch: Man sah sie nackt. Man erwartete sich da eher, dass die Kamera stets ein Objekt davorhält. Es stößt mich nicht ab, aber ich kann mir gut vorstellen, dass sich da Menschen beschweren werden – schließlich sind auch jüngere Damen und Herren in der Zielgruppe der Sendung, und ich weiß nicht recht, ob das so für ihre Augen bestimmt ist. Zudem lässt Kemal die F***-Bombe fallen – aber das ist bei uns ja eh nicht so ein großes Thema wie in den USA.

Kommen wir zu den Charakteren – auffällig ist, dass sich diese Episode merklich weniger Zeit nahm für Charaktermomente als ihre Vorgänger, und das hat positive und negative Seiten. Einerseits tut es dem Fall selber sehr gut, er wirkt gewiefter und ausbalanzierter als seine drei Vorgänger und findet auch ein nicht zu rasches Ende. Andererseits gab es wenige emotionale Momente – in die ich mich trotzdem gleich stürzen werde.

Da wäre zum Beispiel „Mr. Superfesch“ (O-Ton Franitschek), der Angelika wieder sehen möchte. Sein Zuhause ist schlichtweg der Wahnsinn! Was für ein tolles Set, ich hoffe, dass wir das noch öfter besuchen werden. Und auch der Schuss von Ulrich unter dem Regenschirm war einfach raffiniert, der nicht nur toll aussah, sondern auch die Kennenlernszene der Vorgängerfolge in Erinnerung rief. Bemerkenswert finde ich, wie erstaunlich gut der Campinganhänger zum Charakter des Teilchenphysikers Ulrich passt- mein Bruder, ebenfalls ein doktorierter Physiker und Junggeselle, würde in ganz genau so einem „Haus“ wohnen wollen! (Ich auch.)

Die Szene mit Ulrich und Angelika war.. schnell. Ich fand es schön, wie sinnlich der Kuss begann, besonders Strauss‘ Augenlidfarbe (keine Ahnung warum). Ich mein, es war schon recht offensichtlich, dass das früher oder später passieren würde, aber ich hätte gedacht, sie würden sich ein wenig mehr Zeit dafür lassen. Ich wundere mich, wie es mit den zwein weitergehen wird, und insbesondre, was wir wohl noch über Ulrich erfahren werden – er kann schließlich nicht ganz perfekt sein, oder?

… denn im Grunde möchte die Serie ja am Ende Richtung Stefan schweben. Jetzt wird wohl bald Schluss mit der Susi sein, nach dem köstlichen Zwischenfall der beiden. Schon wieder ist Angelika es, die ihren Ex-Mann anstupsen muss, der Susi hinterherzulaufen, und diesmal tut ers unwilliger als noch in den vorherigen Folgen: Er nennt Angelika „Herzallerliebste“ und drückt ihr ein Busserl auf ihr Wangerl, und spricht, als würden sie bald wieder zusammen leben. Mir gefällt Stefans Blauäugigkeit, die er ja zuletzt häufig aufzeigt, in dieser Szene besonders gut.

Quelle: tele.at

Der Regenschirm zieht sich die ganze Folge als Metapher hindurch. (c) Pedro Dominegg

Die Beziehung zwischen der Karin und Angelika wird wirklich betont in dieser Staffel – heute hat sie der Angelika die Hände gestreichelt, ihr Bruder bekommt deutlich weniger Aufmerksamkeit. Ich werde mir zunehmend sicher, dass sich da etwas zusammenbraut, das mit dem Mädchen mit der rosa Schleife zusammenhängt. Dieses bestätigt übrigens meinen Verdacht vom letzten Mal, dass das Mädchen freundlicher wird – diesmal winkt sie Angelika sogar zu. Ich schätze, dass sich hier das große Staffelgeheimnis aufbaut, doch der genaue Zusammenhang ist mir noch ein Rätsel. Weiß Karin etwas, das wir nicht wissen? Oder wird Karin erst etwas widerfahren, mit dem das Mädchen mit der rosa Schleife was zu tun hat? Vielleicht als Täterin oder Zeugin? Hinterlasst doch in den Kommentaren eure Vermutung, auf was wir mit dem Ende der Staffel (ich weiß, nicht daran denken, und noch lange hin!) zusteuern werden.

Random Observationen:

– Ich glaub, das war die erste Folge, in der wir Angelika nicht trinken sahen. Naja, sie wollte zumindest was mit Ulrich trinken, also nur ein halber Sieg für die Abstinenz.

– Also es war schon sehr wolkenlos beim Tatort, kurz nach dem schweren Regenfall…

– Das Fluchtfahrzeug der Täterin war ein blauer Volvo Kombi. Scheint ein beliebtes Fahrzeug für Verbrecher zu sein, schon Gus in Breaking Bad fuhr so einen.

– Warum trug Klara Fuchs eine Burka? Auch wenn sie im Irak oder Iran viele Jahre gefangen war, im Grunde war sie ja eine Österreicherin. Im Falle dessen, dass sie vorher schon eine Muslimin war, erklärt das aber immer noch nicht die sehr auffällige Kleidung (und sie wollte ja nicht geschnappt werden, bevor sie sich nicht ihrer drei ehemaligen Peiniger erledigt hatte). Jedenfalls brachte das ihre Augen sehr zum Ausdruck, und ach, natürlich verschleierte sie die Narben. „Darf man bei uns überhaupt verschleiert Auto fahrn?

„Braves Rexchen“. Ich bin mir sicher, den Hund fanden viele herzallerliebst.

– Ich musste laut lachen, als die Hellseherin darauf aufmerksam machte, dass sich Angelika und Franitschek gegenseitig vorstellen. Tolle Selbstreferenz! Ich fand die Szene auch gut geschauspielert.

– Ungenützte Chance: Ich hätte es einfach klasse gefunden, wenn der Titel der Folge ein Name gewesen wäre, der gar nicht in der Episode vorgekommen war. Jonas Wultz war schließlich wahrscheinlich ein Deckname. Ich sehe die Gelegenheit für mehr Spielereien mit den Episodentiteln.

– Ich mag Cliffhanger, die nicht in der nächsten Episode rigoros verfolgt werden (die mag ich natürlich auch), sondern als kleine Vorantreiber in den Geschichten fungieren.

– Gründe, warum Verdächtige heute wieder Dinge verschwiegen/ falsch ausgesagt haben: Geheimhaltungspflicht, Vertuschung einer Verschwörung,

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2 Gedanken zu “Schnell Ermittelt 4.04 „Jonas Wultz“: Hochspannung.

  1. Pingback: Schnell Ermittelt: Staffel 4 | Blamayers TV Kritiken

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