Schnell Ermittelt 4.03 „Roswitha Thaler“: Ein unorthodoxes Verhältnis.

„Ich wüsste nicht, was ich ohne dich machen würd.“

Schnell Ermittelt wird seinem Namen einmal mehr gerecht – die Serie legt noch einmal einen Zahn zu, was die Charaktere und die Geschichte betreffen. Franitscheks Geständnis, ein neuer Mann und ein verzwickter Fall warten auf die Frau Cefinspektorin Angelika Schnell. Bei all den neuen Entwicklungen ist es nicht verwunderlich, dass man da ein wenig über seine eigenen Beine stolpern kann.

In diesem Fall dreht sich alles ums Thema Tod – ein Thema, mit dem Angelika mittlerweile nicht nur als Chefinspektorin vertraut ist. Zugegeben: sie und ihr Mann (pardon, Ex-Mann) hatten schon immer einen sehr schwarzen Humor und laxen Umgang mit den Toten – auch in der Vorschau für nächste Woche zu sehen. Insofern verstehe ich den Kommentar von der Frau Chefinspektor, keine Angst mehr vor dem Tod zu haben, nicht – womöglich eine Verleugnungsstrategie? Ihr Gesicht sagt aber was anderes. Hm.

Den Fall finde ich fantastisch verstrickt – es war wahrlich ein einziges Labyrinth an Hinweisen, und die Resolution war gelungen. Dass der Grabstein nicht den Herrn Thaler traf war zwar beinah pures Glück, die verwundeten Zehen der Täterin fühlten sich aber einfach wie ausgleichende Gerechtigkeit an. Und der Humor trifft genau ins Schwarze. Zudem sind die Nebencharaktere allesamt interessant und toll gespielt – besonders die Transformation der naiven Amanda in die kalte Mörderin hat mich beeindruckt.

Wie aber schon in den vorherigen Folgen ist der Fall zu kurz für die Spieldauer, viel zu kurz. Gerade deshalb, weil noch mehr Zeit für die Charaktere aufgewandt wird als bei „Horst Bauer“. „Roswitha Thaler“ strotzte leider nur so vor Szenen, denen einfach nicht genügend Zeit gegeben wurde und so nur eher schlicht als recht zu sehen waren – bei der Flucht von Herbert Vasik bin ich wohl nicht der einzige, der sich fassungslos an den Kopf gegriffen hat. Flüchten vor der Polizei war noch nie einfacher… Und dann war es auch noch so vorhersehbar! Und auch der Schnitt passte einfach nicht – von der Distanz der Franitschek hätte ihn auf jeden Fall schnappen können müssen. Die Szene wirkte äußerst unausgereift – als ob den Machern einfach nichts anderes eingefallen wär.

Auch den plötzlichen Selbstmord von Vasik fand ich äußerst merkwürdig. In fünfzehn Sekunden wurde seine Storyline einfach abgeschlossen, und sein Motiv für den Suizid fand ich auch ein wenig aus der Luft gegriffen. Jedenfalls gab mir das einfach nicht genug Zeit, um diesem Nebencharakter Lebewohl zu sagen. Übrigens – den Schauspieler kenn ich, aber woher bloß?

Spitze hingegen war wieder einmal die Musik und diesmal auch der Humor – die guten Zeilen kamen am laufenden Band! Der abgehende Klingelton beim Undercovereinsatz, „Zu mir oder zu dir? Aber geh, doch nicht am ersten Abend.“ oder der minutenlang kichernde Vasik fallen mir da sofort ein. Oder der „Schaasausweis“. Das Tolle an ihnen ist, dass die meisten davon überhaupt nicht aufgesetzt wirken, sondern sich wirklich nahtlos in die Szene einfügen. Es ist die witzigste Folge, an die ich mich erinnern kann, so morbide das auch klingen mag. Respekt an die Schreiberlinge.

Auch heute haben wir es mit dem Mädchen mit dem rosa Haarband im blauen Kleid zu tun gehabt. Im Gegensatz zu ihren bisherigen Besuchen versucht sie diesmal nicht, Angelika Leid anzutun. Im Gegenteil, beim vermeintlichen Verkehrsunfall (übrigens wirklich gut gemacht – meine Mitfernseher haben erschreckt im Anschluss nach dem Körper gesucht) schlüpft sie sogar in die Opferrolle! Sagen wir mal, dass es sich um einen mitteilsamen Geist handelt (oder Angelikas Unterbewusstsein, das ihr was mitteilen möchte) – was führt das Mädchen im Schilde, was möchte es Angelika und uns sagen? Nachdem schon in der zweiten Folge („Horst Bauer“) darauf hingedeutet wurde, dass sie ähnlich aussieht wie Kathrin oder eine junge Angelika, entdecken wir diesmal den ersten Beweis für diese Verbindung – das Mädchen hat dasselbe Haarband wie die Kathrin. Großartig in Szene gesetzt – genau wie Angelika hab iauch ich gar nicht mitgekriegt, was ihre Tochter am Telefon eigentlich von ihr gewollt hatte.

Schon zu Beginn der Staffel hieß es ja, dass ein neuer Mann in Angelikas Leben getreten ist – nun endlich haben wir ihn getroffen. Dr. Ulrich Larsen heißt er, und wie Angelika gleich recherchiert hat ist er vollkommen unbescholten. Zuerst dachte ich, er wäre eine Folge von Angelikas Verfolgungswahn des Mädchens mit rosa Schleife – erinnert er noch wen furchtbar an den Feiler? Zuerst war ich mir sicher, dass es Feiler sei, aber es handelt sich tatsächlich nur um jemanden, der ihm ziemlich ähnlich sieht. Zufall? Ha! Auf jeden Fall ein Grund, gespannt auf Angelikas weiteres Privatleben zu freuen. Auch wenn ihr Sohn da nichts Positives prophezeit.

Quelle: programm.orf.atJedenfalls finde ich ihn wahnsinnig sympathisch – auch wenn ich mir gut vorstellen kann, dass vielleicht nicht gerade jede Frau ihn eine Taste vom Autoschlüssel bedienen hätte lassen. Die Chemie stimmt allerdings sofort – Angelika mag forsche Männer. Ich liebe die Idee mit der auf die Weinflasche stilisiert geschriebenen Telefonnummer, gewünscht hätt ich mir vorher noch einen Schuss vom leeren Bett neben Angelika (und nicht erst nachher). Dennoch klappte die Szene einfach prima, insbesondre als Stefan dann noch in die Wohnung taumelte.

Ach ja, der Stefan und die Angelika. Angelika testet ihn immer wieder, und jedes mal aufs Neue enttäuscht er sie dabei. Der den Stefan spielenden Andreas Lust soll gesagt haben, dass Stefan in dieser Staffel endlich „erwachsen geworden“ ist – aber davon seh ich noch wenig. Denn als er Streit mit der Susi (Verzeihung, Susanne) hat und Angelika ihm nachdrücklich dazu auffordert, diesen beizulegen, tut er ihr den Gefallen so bereitwillig wie eh und je. Und Angelika schlägt die Augen nieder. Und jetzt, wo Angelika diesen schönen Larsen kennen gelernt hat, wird sie es vielleicht endlich Leid, darauf zu warten, dass Stefan für sie endlich wieder Augen bekommt. Ausgerechnet, als es so aussieht, als könne es wirklich demnächst eintreten. So dreht sich das Rad.

Random Observationen:

– Na aber hallo, die Angelika geht ja jetzt wirklich auf Tuchfüllung mit dem Franitschek. Ha, aber es passt so gut zu ihr, dass ich mich fast frage, wie es sein kann, dass es früher nicht so war.

– Haben Bestattungsunternehmen wirklich Särge im Chefbüro??

– Ich hätts so interessant gefunden, wie der Franitschek wohnt – es muss wohl wild ausschaun, wenn er Angelika nicht hineinbittet.

– die Obduktion war heut mal wieder besonders grausig. Ich find es erstaunlich, dass die Serie es um diese Uhrzeit darf. Und: Hab ich da auf den perversen Fotos auf Angelikas Tisch wirklich das gesehen, was ich gesehen habe? Iiiih.

– Maja ist sich nicht mehr sicher, ob sie das Kind überhaupt haben möchte. Vielleicht hälfe es, es mit dem (vermeintlichen) Vater zu besprechen. Ich schätze aber mal stark, dass sie das Kind so oder so kriegen wollen wird. Abtreibung traue ich der Serie nicht zu.

– Ladies: Nicht alle Kerle verzichten darauf, euch anzurufen, weil sie euch nicht mögen.

– Gründe, warum Verdächtige heute wieder Dinge verschwiegen/ falsch ausgesagt haben: Korruption, Korruption, Korruption, unanständige Bilder, seine Mutter beim Sex fotografiert haben.

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3 Gedanken zu “Schnell Ermittelt 4.03 „Roswitha Thaler“: Ein unorthodoxes Verhältnis.

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