Schnell Ermittelt 4.02 „Horst Bauer“: Fragezeichen.

„Brauch ich dich? Ja offenbar.“

Gleich im Anschluss an Angelika Schnells ersten Mordfall nach ihrer Genesung bietet uns der ORF eine weitere Folge Schnell Ermittelt zum Staffelauftakt. Der Fall ist diesmal ein wenig unkonventioneller als sonst – diesmal gibts keine Handvoll Verdächtiger, von denen schließlich einer oder mehrere sich als Täter herausstellen. Stattdessen ist da Familie Wu, die eine Cousine nach Österreich schleusen möchte. Und Fritz? Dass zufällig dieser da auch mit drin steckt, find ich fast zu schön um wahr zu sein. Schade, das riss mich aus der Fernsehrealität heraus. Wenn es wenigstens einen guten Grund für ihn gegeben hätte, sich in die Sache verwickeln zu lassen.

Quelle: programm.orf.at

Quelle: programm.orf.at. (c) Pedro Dominegg

Dabei wird das Thema Asyl aber eigentlich gar nicht richtig angeschnitten – stattdessen wird der Eindruck erweckt, dass Familie Wus Verhalten zwar nicht recht war, aber dafür Erfolg hätte. Um das Thema jedoch ernsthaft behandeln zu können, hätte die Folge noch einige Minuten mehr gebraucht. Überhaupt kam mir vor, dass es sich um eine äußerst gehetzte Episode handelt – hatte noch jemand das Gefühl, dass die gesamte Resolution des Falls viel zu einfach war? Das Mädchen wusste einfach genug Details, um das illegale Lager zu identifizieren, und das wars dann. (Übrigens tolle Atmosphäre beim Entdecken von diesem.)

Dafür wird umso mehr Zeit dafür aufgewandt, um mehr über das Wohlbefinden unserer Protagonisten zu erfahren. Das ist erfreulich, dass uns diese Staffel ein kontinuierlich wachsendes Beziehungsgeflecht bevorsteht. Nicht zu vergessen ist dabei „Tiger“, der den Ermittlern durch die Lappen gegangene Mörder von Horst Bauer. Insbesondre aufgrund Angelikas Versprechen gegen Ende des Falls, ihn zu schnappen, gehe ich davon aus, dass wir nicht zum letzten Mal von ihm gehört haben.

Die zentrale Szene der Folge war eindeutig Angelikas Gespräch mit Stefan. Ich fand es fantastisch, wie beide so verwundbar waren, so haben wir beide noch nie gesehen. Die schauspielerischen Leistungen waren erstklassig – wer hat noch eine Gänsehaut bekommen, als Angelika in Flüsterton sprach? „Ich glaube, ich kann jetzt nicht schlafen.“ Das war der bislang deutlichster Versuch, ihren Ex-Mann zu bitten, neben ihr zu schlafen. Sie weiß auch um seine Gefühle für seine Partnerin Susanne (über die wir ganz bewusst nicht viel wissen), aber testet lieber noch einmal, wie es um sie steht. Zu ihrer Enttäuschung kann er ihr nur wünschen, trotzdem versuchen zu schlafen.

Zum ersten Mal gesteht Angelika auch jemandem von ihren Visionen, ihrer Gabe. Wer hätte gedacht, dass wir das je erleben würden? Wenn man überlegt, wie lange die beiden schon gemeinsam ermitteln und wie viele Jahre sie davon zusammengelebt haben, kommt einem dieser Schritt nur noch wichtiger vor. Da ist es gerade passend, dass wir von Susanne in dieser Folge gar nicht sehen. Angelika/Stefan-Fans müssen sich leider wohl noch eine Weile gedulden – Stefan erwidert ihre Gefühle immer noch nicht wieder. Wissen wir eigentlich, wer von den beiden Schluss gemacht hatte?

Überhaupt ist der gesamte Dialog in Angelikas Bett einfach erstklassig. Ich kann ihn mir immer wieder ansehen, und aus fast jeder Zeile kann man die Spannung und die vielen Schichten ihrer komplizierten Beziehung herauslesen. Ganz großes Kino.

Ich hätte Stefan Schnells Gesicht auch schon in der ersten Folge als nicht gerade gesund bezeichnet, hab es dann innerlich als Folgen des gerade stattgefundenen Begräbnisses abgestempelt. Aber er sieht immer noch ganz schön fertig aus und vermisst seine Mutter „mehr, als er sich vorstellen kann“. Bislang hat das noch wenig Auswirkungen gehabt auf sein Verhalten, aber wir können uns sicher sein, dass das noch einmal zur Sprache kommen wird. Mir gefällt, wie die Storylines diese Staffel gleich schon von Beginn an aufgebaut werden – und das nicht nur die jeweils große A-Storyline wie zum Beispiel Feiler in den ersten beiden Staffeln, oder dieses Jahr die Verarbeitung von Angelikas Schussverletzung.

Diesbezüglich hat sich ja auch bei Maya was getan – schwanger also, und sie ist sich nicht sicher, wer der Vater ist. Hm, ist nicht die originellste Storyline, aber wir werden ja sehen, wie sich das entwickeln wird. Maya gehört zwar nicht zu meinen Lieblingscharakteren, aber den Dialog fand ich sehr schön geschrieben – und Katharinas Straßer konnte zeigen, was sie kann. Auf jeden Fall freu ich mich darauf, dass wir deshalb wohl auch wieder mal mehr Kemal sehen. Apropos, schöner Schnitt von der Maya/Angelika Szene hin zur Kemal/Angelika Szene beim Warten auf den Erpressungsanruf. Maya hat das Gefühl, ihre Welt bricht zusammen, und Kemal ahnt nicht das Geringste. Ich hoffe, dass dies kein Ausstiegsgrund für Katharina Straßer sein wird.

Es ist erfreulich, wie gut sich Schnell Ermittelt quotentechnisch schlägt. Mehr als 750.000 Menschen haben zur Premiere eingeschaltet und haben auch großteils beide Folgen gesehen. Mit einem Marktanteil von 25 bzw. 26 Prozent kann der ORF mehr als zufrieden sein. Zum Vergleich: An den übrigen Wochentagen fährt der ORF rund 300.000 -400.000 Zuseher ein.

Natürlich ist das Interesse an einer Staffelpremiere zu Beginn besonders groß, und der ORF betreibt auch einiges an Werbung. Doch auch bei einem (hoffentlich möglichst geringem) Quotenverlust kann die Serie immer noch als voller Erfolg bezeichnet werden – und das, muss man sagen, auch in artistischer Hinsicht.

Random Observationen:

– Angelika versucht jetzt, mehr Freizeit mit ihren Freunden zu verbringen. Wellness-Tag mit der Kathrin, Abendessen mit Maya und letztes mal Franitschek. Und bald auch vielleicht ein neuer Mann, wenn man den Worten der Produzenten Glauben schenkt.

– Franitscheks Verriss-Storyline ging mir ein wenig auf die Nerven. Es ist zu oft erwähnt worden, um nur als kleiner Gag zu gelten, und hat auch nicht wirklich Konsequenzen gehabt. Nicht, dass ich mir das wünschen würde.

– Den Jan haben wir jetzt schon zwei Folgen lang so gut wie gar nicht gesehen. Dafür gabs aber mehr zu erfahren über Kathrin: „Entschuldigung, ich hab mir Sorgen um dich gemacht!“ – „Die mach ich mir jedes mal, wenn du aus dem Haus gehst.“, antwortet sie störrisch.

– Angelika ist ganz schön unentschlossen, was für einen Drink sie will – dafür, dass wir sie eigentlich in jeder Folge öfters zur Weinflasche greifen sehen.

– Um den Gefühlsausbruchs von Maya nachvollziehen zu können, hab ich die Szene drei mal anschauen müssen. Schätze, ich werd Angelikas Sarkasmus auch schon gewohnt. Andererseits bin ich grad auch nicht schwanger.

– Gründe, warum Verdächtige heute wieder Dinge verschwiegen/ falsch ausgesagt haben: Herr Wu wird von der Mafia bedroht, Fritz schützt seine „Familie“.

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4 Gedanken zu “Schnell Ermittelt 4.02 „Horst Bauer“: Fragezeichen.

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